Im Alltag ausprobiert

Gravel-Bekleidung 7Mesh im Test

Die kanadische Firma 7Mesh produziert Kleidung für Fahrradabenteuer – ganz gleich mit welchem Bike man sich in der Natur bewegt. Wir haben ein paar fürs Graveln ausgelegte Stücke aus der Kollektion ausprobiert.

Datum:

Mit dem 7Mesh-Merino-Trikot und der Cargo-Bibshort ist Jedermann, egal ob männlich oder weiblich, beim Graveln immer gut gekleidet.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Die 7Mesh-Bekleidungsstücke sind sehr durchdacht, demnach funktionell und angenehm zu tragen. Man merkt wie viel Know-how und Lust am Design hier eingeflossen sind. Einige Teile haben das Potenzial sehr schnell zu Lieblingsstücken zu werden – und so dauerhaft Einzug in den Kleiderschrank zu halten. Aber – wie bei vielen guten Outdoor-Bekleidungsteilen – Qualität kostet. Und das nicht zu knapp.
Gravelbikes boomen. Immer mehr Radfahrer sportlicher Herkunft tauschen mittlerweile die dünnen Reifen ihrer Rennräder, und das damit verbundene Hecheln auf der Suche nach hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten, gegen breite Pneus und die Ruhe in den Wäldern. Erlebnis wird beim Graveln deutlich höher bewertet als Ergebnis. Kleine Fluchten vom Alltag sind letztlich im Fokus. Mit Gravel-Touren ist überdies oft auch verbunden, dass die einzelnen Ausfahrten länger dauern – wer möchte schon schnell wieder an den Schreibtisch, wenn er im Wald den Vögeln lauschen kann?! Ganz zu schweigen natürlich von der Erfahrung auf Bikepacking-Trips, bei denen man sich ganze Tage – am besten gleich mehrere hintereinander – in die Wälder schlägt, mit möglichst minimaler Ausrüstung.
Wer jedoch viele Stunden oder gar Tage auf dem Rad sitzt und zudem für alle Witterungsbedingungen gerüstet sein möchte und überall am Rad nach Möglichkeiten sucht, das eine oder das andere noch unterzubringen, der findet sich schnell bei der Suche nach optimaler Bekleidung wieder. Dringend benötigt werden Trikots, die angenehm zu tragen sind und nicht gleich nach wenigen Stunden müffeln. Viele Gravel- und Bikepacking-Fans greifen darum zu Produkten aus Merinowolle, die für ein angenehmes Körperklima stehen und wenig Geruchsbildung zulassen. Auch viele Taschen an der Bekleidung sind von Vorteil. Hier noch das Smartphone oder den nötigen Energieriegel hingesteckt, dort noch Platz für eine Flasche Schorle gefunden – zu viele Taschen kann ein Gravel-Bekleidung fast nicht haben. Und natürlich benötigt man auch Regenklamotten oder sogar noch etwas, dass einen beim abendlichen Lagerfeuer wärmt und gut kleidet.
Bei all diesen Anforderungen kommt die kanadische Firma 7Mesh ins Spiel. 7Mesh wurde 2013 von ehemaligen Mitarbeitern der bekannten Outdoor-Firma Arc’teryx in Squamish (Britisch Kolumbien, Kanada) gegründet, 2015 konnten die Designer ihre erste Kollektion vorstellen. Der Name 7Mesh leitet sich vom Namen des First Nations Volkes der Squamish People ab, deren Name in deren eigener Sprache "Sk̲wx̲wú7mesh" heißt. Mit der Namenswahl möchten die Macher von 7Mesh ihren Respekt vor diesem Volk und deren Land erweisen. Zudem spendet die Firma regelmäßig an die First Nations sowie damit verbundene NGOs.
In Deutschland noch relativ unbekannt, haben wir uns einige Teile der aktuellen 7Mesh-Kollektion angesehen und getestet, um unseren Lesern einen ersten Eindruck der Produkte vermitteln zu können:

Ashlu-Merino-Trikot

Das Ashlu Merino Trikot gibt es in drei verschiedenen Farben

Das Graveltrikot (kann natürlich auch beim Rennrad- und Montainbikefahren getragen werden) ist in drei Farben zu bekommen. Die 7mesh-Designer nennen sie: Eclipse, Brickwork und ’76 Jag. Wir würden wohl eher dunkelblau, orange-braun und grün-blau dazu sagen. Sei’s drum. Hübsch anzusehen sind sie alle. Das Trikot ist aus einem Materialmix von 89 Prozent Merinowolle (der Hersteller legt Wert darauf, dass die Tiere beim Scheren keine Schmerzen erleiden müssen) und 11 Prozent Nylon gestrickt. So viel können wir an dieser Stelle schon sagen: Es trägt sich sehr komfortabel und macht alle notwendigen Bewegungen locker mit. Das Trikot ist in sechs Größen zu haben, von XS bis XXL. An der Vorderseite ist es mit einem durchgängigen Reissverschluss versehen, so ist man nicht nur für kaltes Wetter, sondern auch bei Hitze gut ausgestattet.

Das Ashlu-Trikot hat, wie gewohnt, drei große Taschen. Zusätzlich zwei unterschiedlich große, zu verschließende Taschen. Die Taschen sind am unteren Rand nicht fest mit dem Trikot vernäht.

Viele Gedanken haben sich die Designer von 7Mesh bei der Gestaltung der Trikottaschen am Rücken gemacht. Ja, wie bei fast allen herkömmlichen Radtrikots, so gibt es auch hier drei große Taschen. Unter ihnen verbirgt sich indes das erste Detail. Nicht eine, nein zwei mit einem Zipper zu verschließende Sicherheitsfächer sind eingenäht. Eines davon eher klein, für einen Schlüssel oder ein paar Kreditkarten bzw. Ausweis oder ähnliches. Die andere indes ist richtig groß, führt fast zu zwei Drittel unter den normalen Trikottaschen hindurch. Das ist ein prima Feature. Und ein weiteres Detail hat 7Mesh hier eingebaut, welches wir so bisher noch nicht gesehen haben. An der unteren Seite der Taschen sind diese nicht fest mit dem Trikot vernäht – (nicht ganz) freifliegend könnte man sagen. So kann das Trikot mit dem unteren Bund gut an Ort und Stelle bleiben, auch wenn die Taschen vollgestopft sind.

MK3 Bib Short

Die MK3 Cargo Bib Short hat an jeder Seite eine aufgenähte Tasche. Perfekt fürs Smartphone oder Energieriegel.

Diese Hose werden alle Gravel-Radler lieben. Auf den ersten Blick kommt sie ganz normal daher. 62 Prozent Nylon und 38 Prozent Elastan bringen eine gut sitzende Hose hervor. Die Beine sind eher lang als kurz geschnitten – im Gelände und an langen Tagen ein Vorteil als Schutz vor Gestrüpp und Sonnenbrand. Die Nähte sind so platziert, dass sie nicht scheuern beziehungsweise die Bewegung stören. Das Sitzpad haben wir als angenehm empfunden, wobei, das muss letztlich jeder für sich entscheiden. Für die wirklich langen Tage im Sattel muss man eine Hose finden, die dem Hintern gefällt, mehr noch als dem Auge. Die herausragenden Features der MK3 sind indes ihre Taschen. Zwei Taschen auf den Beinen und drei (!) kleine Taschen am unteren Rücken ermöglichen es dem Radler, jede Menge Dinge in schnell erreichbarer Nähe zu transportieren. Einen Riegel greifen oder schnell das Smartphone zücken, um ein Foto zu machen? Das geht mit der MK3-Bibshort spielend leicht. Einen Reissverschluss der Cockpittasche beim wackeligen Fahren über Stock und Stein aufziehen oder gar aufzerren, das entfällt. Eine super Sache. Es gibt die MK3-Bibshort in sechs Größen, XS bis XXL.

Copilot Jacke

Die Copilot-Jacke ist ein treuer Begleiter bei Regen.

Sie brauchen eine leichte, klein zu verpackende, dennoch robuste und wind- und wasserdichte Jacke? Gern mit Kapuze? Mit der Copilot Jacke könnten Sie einen treuen Begleiter oder eben Copiloten finden. Hergestellt aus Gore-Tex-Material ist die Jacke nicht nur wasserdicht, sondern ermöglicht auch den Dampfaustausch nach außen. Wir sind die Jacke auch im Winter gefahren, wenn eine dicke Jacke so gerade noch nicht nötig war (plus 3 Grad Celsius). Das Innenklima war angenehm und wir mussten uns nicht vor gelegentlichen Regenschauern ängstigen. Für Pendler interessant: Die Kapuze ist so geschnitten, dass sie bei einem Regenguss über den Helm gezogen werden kann. Der Sitz wird dabei über drei feine Kordelzüge gewährleistet, die ohne irgendwelche Kunststoffhülsen/Schnellspanner auskommen. Für eine so robuste Jacke ist die Copilot mit rund 250 Gramm sehr leicht – und wie gesagt, sehr klein zu packen.

Das Innere der Regenjacke erstreckt sich nach hinten Richtung Rücken. So baumelt der dort getragene Inhalt beim Pedalieren nicht auf den Oberschenkeln.

Verstauen kann man die Jacke selbst in der eigenen Tasche auf der linken Seite. Sehr praktisch – auch wenn man im Notlager mal ein (wenn auch kleines) Kopfkissen benötigt. Sehr gut gelöst finden wir auch das Innenleben der Tasche. Das Futter führt von seitlich-vorn zur Seite nach hinten. Gibt man also zum Beispiel ein Smartphone in die Tasche hinein, so baumelt es auch bei sportlich nach vorn gebeugten Fahrern nicht nach unten auf die Oberschenkel. Sehr gut. Auch die Copilot-Jacke gibt es in sechs Größen von XS bis XXL. Die Farben sind Slater Blue und das schon bekannte, orange-braune Brickwork.

Farside Short

Die Farside Short lässt sich am Bund verstellen, so lässt sich bei sechs Größen immer der perfekte Sitz herbeiführen. Der Stoff trägt sich sehr angenehm.

Es gibt nicht wenige Radler auf Gravelbikes, die einen besonders lässigen Stil pflegen. Trikot? Bibshort? Bitte nicht! Offenes (Karo/Holzfäller-) Hemd und weite Hosen sollen zeigen, dass man auf Abenteuersuche ist, nicht wie früher oftmals auf der Jagd nach Bestzeiten. 7Mesh hält für diese Graveller (aber auch für Pendler) die Farside-Hose vor (wieder in sechs Größen, XS bis XXL). Es gibt sie in den Farben Black, Eclipse und Brickwork. Am Bund bietet die Hose zwei Einstellmöglichkeiten mittels eines eingesetzten Bandes. So sollte sich in jeder Größe der optimale Sitz finden lassen. Die Hose ist sehr gut geschnitten ist. Der Stoff ist angenehm auf der Haut, raschelt nicht stark und reibt nicht beim Fahren. In Kombination mit der Foundation Bike Boxer Brief, einer Unterhose mit dünnem Sitzpolster, kann man mit der Farside auch lange Touren bewältigen, ohne die Haut über Gebühr zu strapazieren. Sie ist vorne mit zwei normalen Taschen ausgestattet. Zusätzlich ist am rechten Bein eine Tasche positioniert, die sich mit einem Zipper verschließen lässt. Ähnlich wie bei der Copilot-Jacke führt auch hier das Futter nicht einfach nach unten, sondern nach schräg hinten. So bleibt das Portemonnaie oder Smartphone bei der Tretbewegung immer an der Außenseite des Oberschenkels. Der Zipper ist überdies auch während der Fahrt sehr leicht zu öffnen, weil er schräg eingenäht ist. Letzten Endes ist man mit der Farside auch gut gekleidet, wenn man nicht auf dem Rad sitzt.

Ashlu Merino Socken

Socken – ein oft unterschätztes Kleidungsstück, vor allem beim Radfahren. An langen Tagen im Sattel, oder besser gesagt in den Radschuhen, vielleicht sogar einige Tage hintereinander, macht es sehr wohl einen Unterschied, ob man gute Socken trägt oder eben nicht. Unsere Wahl fällt schon lange Zeit auch beim Material der Socken auf Merinowolle – mal dicker, im Winter, mal dünner, im Sommer. 7Mesh hat auch für dieses Bedürfnis ein Angebot. Wir haben über einen langen Zeitraum die Ashlu-Merino-Socken getragen und waren begeistert. Nicht zu dünn und nicht zu dick, tragen sie sich bei Hitze und auch bei kühleren Temperaturen angenehm. Gestrickt aus 85 Prozent Merinowolle, 10 Prozent Nylon und 5 Prozent Elastan in Italien (!), hinterließen sie bei uns keinerlei unangenehme Druckstellen an der Wade oder am Fuß.

Die Ashlu-Merino-Socken sind angenehm zu tragen, egal ob heiß oder kalt.

Mit dem Spruch "Any Two - Wheels" bestickt, weiß man beim Anziehen welche Socke an welchen Fuß gehört. Welch schönes Detail in der ansonsten langweiligen L- und R-Welt. Es gibt die Socken in vier Größen: small (35-38), medium (39-41), large (43-45) und XL (45+). Und zuletzt – die Farben. Ganz klar, der moderne Graveller, der – abgesehen von seinen Tattoos – so tut als folge er einem wilden Klamotten- und Farbenmix, achtet natürlich in Wirklichkeit genau auf sein Äußeres. Und da müssen natürlich auch die Farben stimmen – und die sollten für Gravelabenteuer bitte völlig anders sein, als zum Beispiel bei Rennradfahrern. 7Mesh treibt es hier erneut auf die Spitze. Es gibt die Ashlu-Socken in vier Farben (die Hauptfarbe ist immer mit einer Farbe an der Ferse kombiniert). Schnallen Sie sich an: Cadet Blue (mit hellblauer Ferse), Eclipse (mit roter Ferse), Gull (mit sehr dunkelblauer Ferse) und die von uns getragene Farbe Pomegranate mit orange-gelber Ferse. Von den Namen mal abgesehen, wir finden die Socken hübsch. Was denken Sie?

Callaghan Merino Hoody

Sehr bequem beim Radeln oder auch am Lagerfeuer. Der Callaghan-Merino-Hoody hat das Zeug zum Lieblingsstück.

Hoody? Haben wir bisher nicht getragen. Warum auch? Tragen ja alle anderen. Aber dann kommt der Callaghan Hoody ins Haus und wir wollten ihn mal testen. Und seitdem ist er eigentlich immer dabei. Auf Radtouren, beim Abendlager, im Alltag. Und warum? Weil der 7Mesh-Hoody überragend komfortabel ist. Er ist in zwei Farben zu haben – in Schwarz und in Spruce, was ein tiefes Grün-Blau ist. Gefertigt ist er aus 65 Prozent Polyester und 35 Prozent Merinowolle. Letztere ist vor allem innen verarbeitet, was den Kapuzenpullover sehr kuschelig und warm macht. Überzeugend ist auch der Schnitt . Da sind nicht einfach zwei, drei Bahnen Stoff zusammengeklöppelt worden. Mit viel Bedacht haben die Designer die Stoffbahnen so geschnitten, gelegt und vernäht, dass sich der Hoody sowohl beim Biken als auch in der Freizeit sehr angenehm trägt. Wir sind begeistert. Der Reissverschluss funktioniert gut, die Kapuze ist so geschneidert, dass sie sogar gut unter dem Helm zu tragen ist. Die beiden Taschen sind ebenfalls mit Wolle ausgelegt, sodass vom Biken kalte Hände hier gern und gut gewärmt werden. In der rechten Tasche ist überdies eine kleine Tasche so eingenäht, dass eine Kreditkarte, ein kleines Portemonnaie oder ein Smartphone einen sicheren Ort finden.
Modelle und Preise:
  • Ashlu-Merino-Trikot: 170 US-Dollar
  • MK3-Bibshort: 230 US-Dollar
  • Copilot-Jacke: 250 US-Dollar
  • Farside-Short:
  • Ashlu-Merino-Socken: 25 US-Dollar
  • Callaghan-Merino-Hoody: 190 US-Dollar

Weitere Infos: 7mesh.com

7mesh MK3 Bib Shorts

Mathias Müller

von Mathias Müller

Mathias Müller ist Redaktionsleiter von BIKE BILD. Er liebt und lebt das Radfahren – auf dem Rennrad, Zeitfahrrad, Gravelbike, Mountainbike und Pendler-E-Bikes hat er schon knapp 200.000 Kilometer gesammelt.