BIKE-BILD-Redakteur Lennart Klocke

Mein Fahrradequipment des Jahres 2021

Viele Produkte gehen jedes Jahr durch die Hände unserer Redakteurin und unserer Redakteure. Komponenten, Bekleidung, Technik – was unserem Dauertest standgehalten und uns besonders begeistert hat, stellen wir vor. Das sind die Lieblingsprodukte 2021 unseres Redakteurs Lennart Klocke.

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2020 war ein Graveljahr, 2021 war unser Redakteur wieder häufiger auf dem Straßenrennrad unterwegs. Kein Wunder, bei diesen tollen Test-Bikes.

Viele interessante Gadgets, Zubehörteile und Bekleidungsstücke haben in diesem Jahr unsere Redaktion erreicht. Und wir haben fleißig getestet. Hier stellt BIKE-BILD-Redakteur Lennart Klocke Ihnen zehn Ausrüstungsteile in zufälliger Reihenfolge vor, die ihn in diesem Jahr begleitet und besonders überzeugt haben.

1. Winterjacke: Endura Pro SL Primaloft Jacke

315 Kilometer, vier Grad Celsius, Gegenwind: Das war meine längste Fahrt des Jahres, von Berlin nach Hamburg. Es war kein schönes Erlebnis. Großen Anteil daran, dass ich ohne Unterkühlung angekommen bin, hat diese Primaloft-Jacke von Endura. Sie vollbringt für mich das Wunder zwischen 10 und 0 Grad warm zu halten, ohne, dass sich die Wärme staut und man zu schwitzen anfängt. Der Schnitt ist fürs Rennradfahren ausgelegt, hinten befinden sich drei Rückentaschen plus eine Reißverschlusstasche für den Haustürschlüssel. Ich ziehe bei circa fünf Grad Außentemperatur nur ein dünnes Kurzarm-Shirt drunter, wenn es kälter ist ein dickeres Langarm-Shirt zum Beispiel aus Merinowolle. So gibt es wenig Gründe, auch bei miesem Winterwetter nicht zum Radfahren rauszugehen. Nur bei starkem Regen kommt die Jacke an ihre Grenzen. endurasport.net / 159,99 Euro

2. Rennradreifen: Pirelli Cinturato Velo

Schlechte Nachrichten für Schwalbe: Deren Pro One hat es nicht in meine Bestenliste geschafft, obwohl ich damit einige Kilometer gemacht habe. Er schaffte es im Tubeless-Set-up einfach nicht, den Luftdruck über mehrere Tage einigermaßen stabil zu halten. Dreimal musste ich den Hinterreifen reparieren, weil die Dichtmilch mich nach kleinen Stichen zwar nach Hause brachte, aber dann keine Abdichtung mehr gewährleisten konnte. Kurzum: Er strahlt für das tägliche Training einfach keine Sicherheit aus. Das alles macht der Pirelli Cinturato Velo besser, der ab der zweiten Jahreshälfte bei mir zum Einsatz kam. Die paar Watt mehr Rollwiderstand sind mir außerhalb der Rennsaison egal; der Cinturato Velo lässt einen auch nicht schlottern, wenn man das Flickzeug mal zu Hause vergessen hat. Darüber hinaus mit super Nasshaftung und ordentlich Komfort. Hier geht’s zum Testbericht. velo.pirelli.com / 60 Euro

3. Gravel-Schuhe: Giro Sector

Giros Sector-Schuhe werden in Shops als “MTB-Schuhe” klassifiziert und sollen somit für Mountainbiken, Cyclocross und Gravel geeignet sein. Ich habe die Schuhe in allen Disziplinen getestet und auch eine lange Tour unternommen. Keine Klagen so weit, erst beim letzten Cross-Rennen ist ein Schuh an der Innenseite etwas aufgerissen. Angesichts der Belastung über das ganze Jahr geht das für mich in Ordnung. Die Sohle ist genauso hart, dass man in Rennen gute Kraftübertragung hat, aber gleichzeitig auch Geh- und Kletterpassagen bewältigen kann. Im allerbesten Sinne ein guter Allrounder. Für alle, denen der Sector zu teuer ist, gibt es auch ähnliche Varianten, die statt Doppel-Boa-Verschluss auf Kletts setzen. Hier geht’s zum Testbericht. giro-sports.com / 250 Euro

4. Pendlerrucksack: Moustache Clark

Moustache ist nicht der erste Hersteller, der einen Rucksack mit Clip-in-Funktion für Gepäckträger anbietet. Und ehrlich gesagt ist das auch nicht der Grund, weswegen der Clark mir so gut gefällt, die Trägerfunktion würde ich nur bei längeren Touren nutzen. Für mich bietet dieser Fahrradrucksack einfach die optimale Größe für die Sachen, die ich so ins Büro mitnehmen muss. Richtig gut gefällt die herausnehmbare Laptop-Tasche, darin sind der Computer (bis 15 Zoll) und das Zubehör weich gepolstert. Der 17-Liter-Rucksack sieht gut aus und ist auch noch wasserdicht, darüber hinaus verfügt er über großflächige Reflektoren – in meinen Augen Pflicht im Pendleralltag. Der Clark sitzt gut am Rücken, drückt auch mit Laptop nicht (auch nicht bei den Gepäckträger-Clips) und ist insgesamt sehr hochwertig verarbeitet. 119 Euro / moustachebikes.com

5. City-Helm: Sena R1

Mit 406 Gramm ist der Sena R1 deutlich schwerer als meine Sporthelme fürs Rennrad oder Gravelbike. Trotzdem ist der Smarthelm meine erste Wahl auf dem Weg zur Arbeit. Musik und Podcasts hören ohne die Ohren vor dem Verkehrslärm zu verschließen ist einfach genial. Darüber hinaus hat dieser Helm sogar eine Headset-Funktion. Schon mehrmals wurde ich auf der Fahrt angerufen und jedes Mal war die Gesprächsqualität im Stadtverkehr auf ordentlichem Niveau. Wenn ich mal nicht weiß, was ich hören möchte, schalte ich morgens auch gern das Radio an und lasse mich bedüdeln. Im Smarthelm-Test habe ich mit meiner Frau auf Tour sogar das Interkom mit zwei Helmen testen dürfen. Ein echter Gamechanger auf Tour, vorbei sind die Zeiten, in denen man sich auf der windigen Straße beim Hintereinanderfahren anschreien musste. Und das waren immer noch nicht alle Funktionen: Der Sena-Helm verfügt über ein Rücklicht, das in meinen Augen allerdings etwas schwächlich ist. Immerhin ist die rote Leuchte am höchsten Punkt angebracht und kann damit nur schwer von einer Kapuze verdeckt werden. Die Akkulaufzeit beträgt, je nach Intensität der Nutzung, sechs bis acht Stunden. Genug für eine Arbeitswoche oder eine längere Tagestour. Hier geht’s zum Testbericht. 140 Euro / sena.com

6. Gravelreifen: G-One Speed

Zwar gibt es im Schwalbe-Sortiment den G-One-Allround, für mich ist der G-One Speed in 35 Millimeter Breite jedoch der wahre Alleskönner. Perfekt für alles, was irgendwie mit Alltag und Tour zu tun hat: schnell auf Asphalt, komfortabel auf Parkwegen und Rumpelradstreifen, griffig auf leichtem Schotter und zu guter Letzt mit wenig Druckverlust über mehrere Tage. Einziger Haken: Das Noppenprofil hält nicht ewig, insbesondere am Hinterrad zeigten sich schon nach wenigen hundert Kilometern Abnutzungserscheinungen. Hier geht’s zum Testbericht und dem Vergleich mit G-One Allround und Bite. 69,90 Euro / schwalbe.com

7. Redshift Shock-Stop-Vorbau

Einer der Trends im Gravel-Segment sind Dämpfungselemente; im Rahmen, im Steuersatz – oder gleich ganze Federgabeln. Der Vorbau-Dämpfer Shock Stop Pro von Redshift kam an meinem Gravelbike zum Einsatz, damit erhält man am Lenker etwas mehr Komfort. Die Montage schien zunächst etwas kompliziert, wenn man sich Schritt für Schritt an die Anleitung (leider nur auf englisch) hält, verliert das Teil jedoch schnell seinen Schrecken. Je nach Körpergewicht werden unterschiedlich harte Elastomer-Stücke in den Vorbau gesetzt. Zeitaufwand: Circa 15 Minuten. Nach ein paar Fahrten wird das System noch etwas weicher. Mir persönlich hat es ganz gut gefallen, vor allem, weil der Vorbau dem Bike auch auf Asphalt kein schwammiges Fahrgefühl aufzwingt. Mein Fazit: Angesichts des stolzen Preises kein Muss, aber das einfachste Tuningteil, wenn man mehr Dämpfung am Gravelbike möchte. Hier geht’s zum Testbericht. 235 Euro / redshiftsports.com

8. Mini-Schloss Voxom Sch1

Kein Schloss, eher eine Wegfahrsperre: Das Sch1 von Voxom ist bei längeren Touren immer dabei. Das 56 Gramm leichte Mini-Kabelschloss frisst kein Brot wie man so schön sagt und passt in jede Fahrrad- oder Trikottasche. Super, wenn man mal beim Café anhalten möchte und das Rad kurz unbeaufsichtigt lässt. Länger als einen Toilettenstopp sollte man das Rad jedoch nicht aus den Augen lassen, selbst ein kleiner Seitenschneider könnte das dünne Kabel schon knacken. Dank Code braucht man keinen Extra-Schlüssel. Mit dem Spiralschloss können, dank 105 Zentimeter Länge, auch zwei oder drei Räder nebeneinander gesichert werden. 9,95 Euro. / voxom.de

9. Winterhandschuhe: Castelli Spettacolo RoS Glove

Diese Rennradhandschuhe von Castelli zeichnen sich durch sehr lange Reißverschlüsse aus, mit denen man sie auch bei Kälte besonders leicht an- und ausziehen kann. Ehrlich gesagt empfand ich das Ausziehen von Handschuhen im Winter nie als besonders problematisch und lange boten die Spettacolo keinen echten Mehrwert für mich. Doch dann die Erleuchtung: Die Handschuhe sind einfach super, um während der Fahrt die Temperatur zu regulieren. Ich gehöre glücklicherweise zu denjenigen, die nicht immerzu kalte Hände haben. Nach einer Zeit staut sich die Wärme an milden Wintertagen, das liegt unter anderem an der Primaloft-Isolierung. Super, wenn man dann einfach die Reißverschlüsse aufmachen und etwas Luft reinlassen kann. Erst ab Temperaturen unter dem Gefrierpunkt oder bei starkem Regen sind die Spettacolo-Handschuhe von Castelli keine echte Hilfe mehr. An den meisten Wintertagen für mich dennoch die erste Wahl. 94,95 Euro / castelli-cycling.com

10. Rennrad: Storck Aerfast Comp

Ganz ehrlich: Ich war wohl noch nie so kurz davor, ein Testrad einfach abzukaufen. Am Storck Aerfast Comp stimmt für mich einfach alles: Die Geometrie passt perfekt. Die Rival-Gangschaltung mit 12 Ritzeln bietet eine große Bandbreite. Die DT-Swiss-Hochprofilfelgen sausen über die Ebene und beschleunigen auch nach Kurven herausragend. Der schwarze Aero-Rahmen ist schick und schnell. Sogar der Sattel, sonst immer ein Problemfall, saß wie angegossen. Am Ende waren mir 4400 Euro dann doch zu viel. Wobei, es gibt ja Dienstrad-Leasingprogramme …
Lennart Klocke

von Lennart Klocke

Zwei schmale Reifen, ein tiefer Lenker und eine freie Landstraße: Mehr braucht Lennart Klocke nicht zum Glücklichsein. Als BIKE BILD-Autor testet der Rennrad-Fan am liebsten neues Equipment und Fahrrad-Gadgets.