JobRad und andere Anbieter

Fahrrad-Leasing und Dienstrad: Wie es geht, was es bringt

Firmenwagen war gestern, heute bieten Unternehmen ihren Mitarbeitern auch Fahrrad-Leasing an. Die Versprechen lauten rund 40 Prozent Ersparnisse und die Möglichkeit, hochwertige E-Bikes und Pedelecs sowie Sporträder zu finanzieren. Wir beantworten die wichtigsten Fragen, zeigen Ihnen Beispiel-Rechnungen, unterschiedliche Anbieter und verraten, für wen sich das Fahrrad-Leasing wirklich lohnt.

Datum:

Mit dem Fahrrad geht es im Stadtverkehr schnell vorbei am Stau. Ein E-Bike macht das Ankommen nochmal entspannter. Bild-Quelle: www.flyer-bikes.com / pd-f

Von einem Dienstrad sprach man bisher, wenn ein Arbeitgeber einem Angestellten ein Fahrrad zur beruflichen Nutzung überließ. Klassische Beispiele hierfür sind zum Beispiel Lieferdienste oder die Post. Wer heutzutage jedoch von einem Jobfahrrad oder Dienstrad spricht, meint in der Regel das Leasingmodell. Hierbei wird ein Teil des monatlichen Bruttogehalts vom Arbeitgeber für die Leasingrate einbehalten und dem Arbeitnehmer im Gegenzug ein Fahrrad oder E-Bike zur Verfügung gestellt. Diese Entgeltumwandlung wird steuerlich gefördert, deswegen können Angestellte gegenüber einer regulären Anschaffung Kosten sparen.

Hier beantworten wir Ihnen die wichtigsten Fragen zum Thema Dienstrad

Über welchen Zeitraum kann ich ein Fahrrad leasen?
Der Finanzierungszeitraum beträgt 36 Monate. Deshalb sind befristet Angestellte, Auszubildende und ähnliche Arbeitsverhältnisse meist von einem Dienstrad-Programm ausgeschlossen. Was im Falle einer vorzeitigen Kündigung des Angestelltenverhältnisses passiert, muss der Arbeitgeber im Vorfeld regeln.
Welche Voraussetzungen müssen für Fahrradleasing erfüllt sein?
Ihr Arbeitgeber muss einen Rahmenvertrag mit einem der Jobfahrrad-Anbieter abschließen. Weitere Bedingungen kann der Arbeitgeber gegenüber seinen Angestellten festlegen: welche Fahrradtypen man auswählen kann, wie hoch der minimale und der maximale Kaufpreis ist und für welche Angestelltengruppen das Programm angeboten wird.
Welche Fahrradtypen kann man leasen?
Es muss kein rein funktionales Citybike sein. Grundsätzlich kann man ebenso Sportgeräte wie Rennräder und Mountainbikes oder auch Lastenräder leasen – jeweils mit und ohne E-Unterstützung. Eine Ausnahme bilden die als Kraftfahrzeuge klassifizierten S-Pedelecs, die bis 45 Stundenkilometer Tretunterstützung leisten. Wichtig: Manchmal kooperieren Hersteller und Händler mit bestimmten Leasinganbietern. So können zum Beispiel Bikes der angesagten Versandmarke Canyon nur über den Anbieter Jobrad geleast werden.
Welche Serviceleistungen und Versicherungen gibt es?
Alle Dienstradanbieter werben mit Rundum-sorglos-Paketen, oft inklusive Inspektion und Austausch von Verschleißteilen wie Kette, Bremsbelägen oder Reifen. Insbesondere als Pedelec-Fahrer sollten Sie einmal im Jahr in die Werkstatt zum Check-up. Hier lohnt sich der Blick ins Kleingedruckte: Achten Sie darauf, dass nicht nur die Bremsen inkludiert sind, sondern auch länger haltbare Teile wie Ritzelpaket und Reifen. Selbiges gilt beim Thema Versicherung: Vollkasko ist in der Regel inklusive, ebenso Diebstahlschutz. Dort geben sich die Versicherungen oft kulant. Einige zahlen auch, wenn das Rad über Nacht draußen steht oder wenn Sie es nur mit einem einfachen Rahmenschloss sichern. Seien Sie sich darüber im Klaren, dass Servicepakete und Versicherungen als Pflichtbestandteile in den Kalkulationen der Anbieter auftauchen. Anders gesagt: Dadurch, dass Rundumservice großzügig in die Gesamtkosten eingerechnet wird, steigt auch die Ersparnis, mit der gegenüber einer Einzelanschaffung von Fahrrad und Servicepaket geworben werden kann. Wichtig überdies für Sportfahrer: Nicht alle Versicherungen decken Schäden ab, die bei Rennen entstehen können.
Was passiert nach der Leasinglaufzeit mit meinem Rad?
Laut Leasingvertrag müssen Sie Ihr Fahrrad oder E-Bike nach Ablauf der 36 Monate wieder zurückgeben. In der Regel handeln die Leasinganbieter im Sinne ihrer Kunden und bieten an, das Rad zum Restwert abzukaufen. Achtung: Auch der Restwert wird versteuert. Vertraglich zugesichert werden darf der Kauf nach drei Jahren Nutzung aus steuerrechtlichen Gründen jedoch nicht.
Wie groß ist der Aufwand für mich?
Es liegt im Interesse der Dienstradanbieter, den Aufwand für die Mitarbeiter ihrer Kunden so gering wie möglich zu halten. Wie beim normalen Radkauf sollten Sie sich beim Händler informieren, welches Rad in welcher Größe und mit welcher Ausstattung zu Ihren Bedürfnissen passt. Auch der Onlinekauf ist möglich. Viele Leasinganbieter haben dafür sogar eigens eingerichtete Portale, bei denen man bequem sein Wunschrad und die Serviceoptionen auswählen kann.
Welches Zubehör kann ich mitbestellen?
Als leasingfähiges Zubehör gilt, so die Faustregel, alles, was fest am Fahrrad verbaut werden kann: Schutzbleche, Gepäckträger, Flaschenhalter, Körbe, Kindersitze und auch ein Schloss. Wichtig ist, dass der Fahrradhändler eine Rechnung für das Gesamtpaket ausstellt. Deswegen kann Zubehör nicht nachträglich in den Leasingvertrag aufgenommen werden.
Wo ist der Haken?
Steuerliche Förderung, großzügige Preisnachlässe und Rundumservice: Sein Traumrad via Bikeleasing anzuschaffen ist verlockend. Doch das Modell ist nicht unumstritten. Insbesondere die Gewerkschaften sind gegen die Entgeltumwandlung. Die Rechnung werde zulasten der Renteneinzahlungen und der Sozialkassen gemacht. Dadurch sei, so die Argumentation von Ver.di & Co, Fahrradleasing in erster Linie ein Konjunkturprogramm für die Fahrradbranche und ein Sparmodell für Unternehmen.

Erfolg der Fahrradlobby: Seit dem 1.Januar 2020 werden Leasing-Räder nur noch mit 0,25 Prozent des Kaufpreises statt wie zuvor mit 0,5 Prozent besteuert. Foto-Quelle: www.winora.de / pd-f

Woran erkenne ich ein gutes Angebot?
Als Angestellter haben Sie keine Auswahl, sondern müssen den Anbieter nehmen, mit dem Ihr Arbeitgeber einen Rahmenleasingvertrag hat. Dies kann die Auswahl für bestimmte Marken oder Händler deutlich eingrenzen. Einen ersten Hinweis auf die Kosten erhalten Sie bei den Leasingrechnern der jeweiligen Jobradanbieter. Ein Leasingangebot ist desto interessanter, je mehr Leistungen der Arbeitgeber finanziert, also Service und Versicherungen. Im Optimalfall übernimmt Ihr Arbeitgeber sogar einen Teil der Leasingrate.
Welche Alternativen gibt es?
Natürlich den klassischen Fahrradkauf, im Laden oder online. Zwar müssen Sie dafür sparen, einen Kredit aufnehmen oder einmalig tief in die Kriegskasse greifen – dafür gehört das Fahrrad dann auch wirklich Ihnen. Beim Leasing gilt, dass Sie nur zum festgelegten Preis kaufen, als Endkunde indes können Sie Rabatt aushandeln oder ein vergünstigtes Vorjahresmodell kaufen.
Für wen lohnt sich das Dienstfahrrad-Modell?
Das Dienstradleasing bringt Menschen aufs Fahrrad. Klar, davon profitieren die Umwelt und die Volksgesundheit, außerdem wird der Verkehr auf den Straßen entlastet. Über mehr verkaufte, auch höherwertige, Fahrräder sowie Servicedienstleistungen freuen sich natürlich die Fahrradindustrie und der Handel. Für Arbeitgeber ist das Angebot ebenfalls interessant: Nicht nur macht es das Unternehmen für potenzielle Angestellte interessanter, Radleasing verringert auch die Sozial- und Rentenabgaben auf dem Gehaltszettel. Die Leasinganbieter selbst verdienen über Pauschalen mit Partnerhändlern oder über Anteile an den Leasingraten. Hinter manchem Dienstfahrradanbieter wie Eurorad oder Lease a bike stehen große Radkonzerne, die so den Absatz ihrer eigenen Räder ankurbeln möchten. Nicht zu vergessen auch die Versicherer, die von Einkünften aus Radversicherungen profitieren. Überdies gibt es im Branchenumfeld Unternehmen, die sich auf den Handel mit gebrauchten Leasingfahrrädern spezialisiert haben.
Lohnt sich ein Jobfahrrad auch für mich?
Fahrradleasing kann sich durchaus für Sie lohnen – für eine pauschale Empfehlung spielen jedoch zu viele individuelle Faktoren in die Rechnung ein: Ihre steuerliche Situation, die Zuschüsse Ihres Arbeitgebers und die Konditionen des jeweiligen Leasinganbieters. Kurzum: Bikeleasing ermöglicht Ihnen die Anschaffung eines (E-)Fahrrads im Wert von mehreren Tausend Euro. Das Leasingmodell ist besonders empfehlenswert, wenn Sie einfach nur Fahrrad fahren und sich nicht um Wartung und Versicherung kümmern möchten. Generell gilt: Je mehr Ihr Arbeitgeber zum Dienstfahrrad beisteuert – Zuschuss zur Leasingrate, Versicherungen, Service –, desto attraktiver ist das Modell für Sie als Arbeitnehmer.

Beispiel-Rechnung Fahrrad-Leasing

Variante 1
  • Kaufpreis Wunschrad: 3.000,00 €
  • Brutto-Monatsgehalt: 3.500,00 €
  • Arbeitgeber trägt Versicherung
  • Arbeitgeber trägt Service
  • Arbeitgeber ist vorsteuerabzugsberechtigt
  • Monatliche Umwandlungsrate: 82,69 €
  • Nettobelastung pro Monat: 45,65 €
  • Geldwerter Vorteil (0,25-Prozent-Versteuerung): 7,00 €
Fazit: Übernimmt der Arbeitgeber Service und Versicherung, sind das Angebot und die Ersparnis attraktiv.

KAUF

LEASING

STEUERBELASTUNG

Steuern

569,79 €

547,99 €

Versicherungen

704,38 €

689,14 €

Netto-Gehalt

2.225,83 €

2.180,18 €

VERGLEICH EINKAUF/LEASING

Anschaffung/erwarteter Gebrauchtkaufpreis

3.000,00 €

540,00 €

Nettobelastung

1643,40 €

Anschaffungswert

3000,00 €

2.183,40 €

Versicherung

449,82 €

übernimmt AG

Full Service

420,00 €

übernimmt AG

Gesamtkosten

3.000,00 €

2.183,40 €

Gesamtkosten (inkl. Full und Versicherung)

3.869,82 €

2.183,40 €

Rel. Ersparnis ohne Full Service und Versicherung

27,22 %

Rel. Ersparnis mit Full Service und Versicherung

42,51 %

Variante 2
  • Kaufpreis Wunschrad: 3.000,00 €
  • Brutto-Monatsgehalt: 3.500,00 €
  • Arbeitgeber trägt Versicherung
  • Arbeitgeber trägt Service
  • Arbeitgeber ist nicht vorsteuerabzugsberechtigt
  • Monatliche Umwandlungsrate: 120,80 €
  • Nettobelastung pro Monat: 65,28 €
  • Geldwerter Vorteil (0,25-Prozent-Versteuerung): 7,00 €
Fazit: Ohne Service und Versicherung liegen Leasingbelastung und Kaufpreis hier fast gleichauf – hinzu kommen allerdings die individuellen Wartungskosten im Falle des Kaufs.

KAUF

LEASING

STEUERBELASTUNG

Steuern

569,79 €

537,18 €

Versicherung

704,38 €

681,84 €

Netto-Gehalt

2.225,83 €

2.160,55 €

VERGLEICH EINKAUF/LEASING

Anschaffung/erwarteter Gebrauchtkaufpreis

3.000,00 €

540,00 €

Nettobelastung

1.914,30 €

Anschaffungswert

3.000,00 €

2.454,30 €

Versicherung

449,82 €

204,27 €

Full Service

420,00 €

231,51 €

Gesamtkosten

3.000,00 €

2.890,08 €

Gesamtkosten (inkl. Service/Versicherung)

3.869,82 €

2.890,08 €

Relative Ersparnis ohne Full Service und Versicherung

3,66 %

Relative Ersparnis mit Full Service und Versicherung

25,32 %

Fahrrad-Leasing-Anbieter im Überblick

  • Bike2Business: Das Fahrradleasing-Angebot der Firma Cycle Union aus Oldenburg. Zu den Marken des Unternehmens gehören VSF Fahrradmanufaktur (Trekkingräder), e.Bikemanufaktur, Kreidler (Mountainbikes) und Rabeneick (Cityfahrräder). www.bike2business.net
  • Bikeleasing: Die Firma aus dem niedersächsischen Uslar arbeitet laut eigener Aussage mit mehr als 4000 Fachhändlern zusammen. Wichtig ist Bikeleasing die Unterstützung des regionalen Handels, im Fokus stehen ebenfalls ein umfangreicher Digitalservice und eine schnelle Abwicklung im Schadensfall. www.bikeleasing.de
  • BusinessBike: Das „einzige voll digitale Leasingportal“ verspricht Arbeitgebern Abdeckung aller Eventualitäten und maximal einfache Bedienung. 100 Prozent Zufriedenheit entstünden bei den Mitarbeitern unter anderem durch Vollkaskoversicherung, Mobilitätsgarantie und Markenunabhängigkeit. www.businessbike.de
  • Company Bike: Der selbst ernannte Premiumdienstleister Company Bike richtet sich an Konzerne und große mittelständische Unternehmen. Kunden können ein individualisiertes Mitarbeiterportal für Leasing und Service einrichten lassen. www.company-bike-solutions.com
  • Eurorad: Hinter Eurorad steht die Zweirad-Einkaufsgenossenschaft (ZEG) aus Köln. Die ZEG gehört zu den großen Akteuren in der deutschen Fahrradbranche, zu ihr gehören beispielsweise die Marken Hercules, Flyer, Bulls und Pegasus. www.eurorad.de
  • Fahrrad.de Bikeleasing: Die Internetstores GmbH hat für ihren größten Fahrrad-Onlineshop fahrrad.de einen eigenen Leasinganbieter gegründet. Hier gehören nicht nur Wartung und Versicherung zum Service, sondern auch Kaufberatung und Produktauswahl. https://bikeleasing.fahrrad.de/
  • Jobrad: Der wohl bekannteste Leasinganbieter ist Jobrad aus Freiburg. Die Köpfe dahinter sind die Geschäftsführer Ulrich Prediger und Holger Tumat. Sie haben sich mit anderen Interessenvertretern dafür stark gemacht, dass Fahrradleasing 2012 von den deutschen Finanzbehörden ermöglicht wurde. www.jobrad.org
  • mein-dienstrad.de: Dieser Leasingrad-Anbieter aus Oldenburg möchte besonders kleinere Unternehmen als Kunden gewinnen, mein-dienstrad.de wirbt mit „Premium-Versicherungen“ und einem großzügigen Austausch von Verschleißteilen, wozu auch Pedelec-Akkus zählen. www.mein-dienstrad.de
  • Lease a bike: Lease a bike gehört zu Derby Cycles mit den Marken Kalkhoff, Focus, Raleigh und Univega. Der Anbieter verspricht entgegenkommende Versicherungskonditionen. Um beispielsweise ein gestohlenes Rad erstattet zu bekommen, reiche in der Regel schon, es mit einem Rahmenschloss abgeschlossen zu haben. www.lease-a-bike.de
Lennart Klocke

von Lennart Klocke

Zwei schmale Reifen, ein tiefer Lenker und eine freie Landstraße: Mehr braucht Lennart Klocke nicht zum Glücklichsein. Als BIKE BILD-Autor testet der Rennrad-Fan am liebsten neues Equipment und Fahrrad-Gadgets.