Wildes Zelten auf Radreisen

Wildcamping in Deutschland: Erlaubt oder verboten?

Die rechtliche Lage zum Wildcamping ist in Deutschland mehr als unübersichtlich. Wir haben die wichtigsten Informationen für Radreisende zusammengefasst.

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Für viele Radreisende in Deutschland ist das Zelten in der Natur abseits von Campingplätzen eine Traumvorstellung.

Jedes Bundesland besitzt seine eigenen Gesetze zum Wildcamping. Dabei muss zwischen den Landeswaldgesetzen, die die Wälder betreffen, und den jeweiligen Landesnaturschutzgesetzen für die freien Landschaften unterschieden werden. Darüber hinaus existieren weitere Gesetzte für die geschützten Gebiete. Eine Übersichtskarte, wo sich die geschützten Gebiete befinden, finden Sie hier.
Bevor über das Wildcamping nachgedacht wird, muss überprüft werden, ob ein Betretungsrecht besteht. In einigen Landeswald- und Landesnaturschutzgesetzen gibt es diesbezüglich Einschränkungen. Viele dieser Gesetze verbieten zudem lediglich das Zelten. Das Schlafen in einer Hängematte, in einer Schutzhütte, unter freiem Himmel oder unter einer Plane wohl als rechtliche Grauzone eingestuft werden.

Verhaltensregeln

Darüber hinaus besitzen die meisten Länderwaldgesetze Absätze wie folgenden aus Sachsen (SächsWaldG § 11 Absatz 2): "Wer den Wald betritt, hat sich so zu verhalten, dass die Lebensgemeinschaft Wald und die Bewirtschaftung des Waldes nicht gestört oder gefährdet, der Wald und die Einrichtungen im Wald nicht beschädigt, zerstört oder verunreinigt werden sowie die Erholung anderer Waldbesucher nicht beeinträchtigt wird." Doch ab wann stört man als Wildcamper? Auch dies ist rechtlich schwierig zu klären und stets eine Einzelabwägung.
In den Nationalparks und Naturschutzgebieten ist normalerweise jegliches Wildcamping – mit oder ohne Zelt – zum Schutz der Natur verboten. Diese Gebiete müssen also beim Wildcamping in jedem Bundesland gemieden werden.
Ein offenes Feuer sollte stets vermieden werden und ist in den Länderwaldgesetzen ausdrücklich verboten. Schädigen Sie keine Pflanzen, verhalten Sie sich besonders ruhig und hinterlassen Sie keinerlei Müll. Exkremente gehören tief vergraben, fernab von Gewässern. Zuwiderhandlungen können hohe Strafen nach sich ziehen – vor allem bei der Beschädigung der Natur oder beim Zurücklassen von Müll.
Wir haben die einzelnen Gesetze in Bezug aufs Wildcamping für (Rad-)Wanderer untersucht. Diese Regelungen gelten jedoch nur außerhalb von geschützten Gebieten. Geschützte Gebiete besitzen ihre eigenen, strengeren Regeln.

Wildcamping in Schleswig-Holstein

Das LWaldG SH verbietet in § 17 Absatz 1 das nächtliche Betreten des Waldes abseits von Wegen. In Absatz 2 wird das Zelten noch einmal ausdrücklich verboten. Anders sieht das in der freien Landschaft aus. Das LNatSchG SH erlaubt in § 37 Absatz 2 nichtmotorisierten Wanderern das Zelten für eine Nacht außerhalb von Nationalparks und Naturschutzgebieten (welche wiederum eigene Gesetze haben), „wenn sie privatrechtlich dazu befugt sind und keine Rechtsvorschriften entgegenstehen“. Fast alle Flächen befinden sich in Privatbesitz. Um eine privatrechtliche Befugnis zu erlangen, muss also nach Erlaubnis gefragt werden – in
 der Praxis zumeist schwierig. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, der besucht die von der Stiftung Naturschutz speziell für (Rad-)Wanderer ausgewiesen Plätze. Diese finden Sie hier.
Fazit: Wildcamping, ob mit oder ohne Zelt, ist in Schleswig-Holsteins Wäldern verboten. In der freien Landschaft jedoch, abseits von Nationalparks und Naturschutzgebieten, ist das Zelt-Aufschlagen teilweise legal.

Wildcamping in Mecklenburg-Vorpommern

Die Gesetzeslage zum Wildcamping für Radwanderer in Mecklenburg-Vorpommern gleicht derjenigen aus Schleswig-Holstein. Ein Unterschied besteht jedoch darin, dass die Wälder auch nachts betreten werden dürfen. Dort ohne Genehmigung zu zelten, ist dennoch ausdrücklich verboten. In der freien Landschaft jedoch bestehen Ausnahmen:
NatSchAG M-V (§ 28 Absatz 2 Satz 1): "Nichtmotorisierte Wanderer dürfen außer in Nationalparken, Nationalen Naturmonumenten und Naturschutzgebieten abseits von Zelt- und Campingplätzen in der freien Landschaft für eine Nacht zelten, wenn sie privatrechtlich dazu befugt sind und keine anderen Rechtsvorschriften entgegenstehen." Ein Problem ist hier wie auch in Schleswig-Holstein die privatrechtliche Befugnis.

Wildcamping in Niedersachsen, Bayern, Hamburg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen und im Saarland

Das Länder-Waldgesetze verbieten das "Zelten" im Wald ohne vorherige Genehmigung des Waldbesitzers oder der zuständigen Behörde ausdrücklich. Das Draußenschlafen ohne Zelt findet in den Gesetzen jedoch keine Beachtung und dürfte sich somit, so lange die Natur nicht zu Schaden kommt und die dort lebenden Tiere nicht gestört werden, in einer rechtlichen Grauzone befinden. Doch ab wann liegt eine Schädigung oder Störung vor? Die Ländernaturschutzgesetze für die freien Landschaften betrachten das Wildcamping nicht.

Wildcamping in Baden-Württemberg und Sachsen

In Baden-Württemberg und Sachsen dürfen weder in den Wäldern noch in der freien Landschaft Zelte aufgestellt werden. Das Draußenschlafen ohne Zelt wird nicht betrachtet.

Wildcamping in Thüringen

Das Zelten in Thüringens Wäldern ist ohne Zustimmung des Waldbesitzers verboten. In der freien Landschaft ist "das Aufstellen von Zelten oder sonstigen beweglichen Unterkünften außerhalb dafür bestimmter Plätze" erlaubnispflichtig (ThürNatG §22 Absatz 5 Satz 5). Was zu den sogenannten sonstigen beweglichen Unterkünften gehört, ist unklar. Möglicherweise fallen auch Hängematten und Tarps unter diese Regelung.

Wildcamping in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt gehört zum Betretungsrecht der Wälder nur das Begehen, Befahren und Reiten. Somit dürfte in den Wäldern jegliches Wildcamping untersagt sein. Das Zelten bedarf zudem einer vorherigen Zustimmung (LWaldG Sachsen-Anhalt, § 22).

Wildcamping in Brandenburg

Das brandenburgische Länderwaldgesetz verbietet das Zelten nicht ausdrücklich. Es erlaubt den Waldbesitzern sogar, "gelegentlich und auf einen Tag begrenzte Übernachtungen" zu gestatten. Wildzelten in den Wäldern ist somit ohne eine Genehmigung eine Grauzone.
In der freien Landschaft gelten ähnliche Regelungen wie in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern: "Fuß-, Rad-, Reit- und Wasserwanderer dürfen abseits von Zelt- und Campingplätzen für eine Nacht Zelte aufstellen, wenn sie privatrechtlich dazu befugt sind und keine besonderen Schutzvorschriften entgegenstehen." (BbgNatSchG § 44 Absatz 4)

Wildcamping in Bremen

Das Länderwald und Ländernaturschutzgesetz in Bremen betrachtet das Wildcamping nicht. Dies mag an den eingeschränkten Möglichkeiten liegen.

Wildcamping in Berlin

In den Wäldern Berlins ist das Zelten oder das Errichten einer "ähnlichen Lagerstätte" verboten (LWaldG Berlin § 23 Absatz 1 Satz 4). Somit dürfte in den Wäldern jegliches Draußenschlafen, ob mit oder ohne Zelt, untersagt sein.

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Svenja Schrade

von Svenja Schrade

BIKE-BILD-Redakteurin Svenja Schrade ist begeisterte Radfahrerin und Bikepackerin – meistens unterwegs auf dem Gravelbike. Fühlt sich aber auf fast allen Zweirädern wohl.