Experten-Interview

So finden Sie den richtigen Fahrradhelm

Woran erkenne ich, dass ein Helm sicher ist? Wie stelle ich den Kopfschutz richtig ein? Und wie finde ich das richtige Modell? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

Datum:
Alpina Helme

Ein guter Fahrradhelm gehört zur Pflichtausrüstung von Bikern.

Stephan Kaiser ist Produktmanager Bike Helme bei Alpina. Wir wollten von ihm wissen, worauf es bei Fahrradhelmen ankommt.
Das wichtigste Thema bei einem Helm ist die Sicherheit. Woran erkenne ich im Geschäft oder online, dass ein Helm geprüft und für sicher befunden ist?
Auf der Verpackung, wie auch auf einem Label innerhalb des Helmes, sind vom Hersteller zwei erfüllte Normen anzugeben: Erstens das CE-Zeichen, das bedeutet, das Produkt entspricht allen geltenden EU-Vorschriften. Und zweitens die erfüllte Norm für Fahrradhelme, EN1078. Online sollten diese Angaben ebenfalls auf der Händlerseite angegeben werden.
Inwieweit sind diese Sicherheitsprüfungen realitätsnah?
Die Prüfung erfolgt so realitätsnah wie möglich. Dabei werden die Helme unter verschiedenen Kälte- und Wärmekonditionen getestet. Es wird ein Aufprall aus einer Höhe von circa 1,50 Meter auf einen flachen Untergrund und aus ungefähr 1,05 Meter auf einen Stahlsockel, der einen Bordstein nachbildet, simuliert. Dabei darf der Helm zu keiner Zeit vom Kopf rutschen, in diesem Verfahren wird auch die Zugkraft der Gurtbänder getestet.
Wie lange ist ein Fahrradhelm haltbar?
Die Faustregel lautet: Nach fünf bis sechs Jahren sollte ein Helm getauscht werden. Der Grund ist, äußere Bedingungen, wie zum Beispiel UV-Strahlen, Kälte und Hitze lassen das verarbeitete Material altern und somit kann keine Sicherheit des Helmes mehr gewährleistet werden. Nach einem Sturz sollte der Helm umgehend ausgetauscht werden, weil dabei auch nicht sichtbare Risse entstehen können.
Was unterscheidet einen Cityhelm von Rennrad- und MTB-Modellen?
Cityhelme sind robuster in ihrer Konstruktion und das geschlossene Design schützt besser vor Schnee, Regen und Wind. Zusätzlich wird mit Lichtern und Reflektoren mehr Fokus auf die Sichtbarkeit im Straßenverkehr gelegt.
Mountainbike-Helme sind mit zusätzlichen Belüftungslöchern an der Oberseite ausgestattet, denn bei geringeren Geschwindigkeiten mit dem Mountainbike, wie zum Beispiel in steilen Anstiegen, ist die Luftströmung so gering, dass es zwischen Kopf und Helm zu einem Hitzestau kommen kann. Zusätzlich schützt ein tieferes Heck des Helmes den Hinterkopf besser vor Stürzen im Gelände und das Schild an der Stirn schützt vor Sonneneinstrahlung, Ästen und Steinen.
Porträt Stephan Kaiser

Stephan Kaiser, Produktmanager Bike Helme bei Alpina Sports.

Beim Rennradhelm kommt es auf Sicherheit, Gewicht und Ventilation an. Lüftungslöcher sind in großer Zahl und Form vorhanden, um den kühlenden Luftstrom optimal um den Kopf herum und hinten aus dem Helm wieder heraus zu führen. Konstruktion und Bauweise sind auf minimales Gewicht, aber maximalen Schutz ausgelegt.
Inwieweit unterscheidet sich ein günstiges Modell von einem Premium-Helm?
Man unterscheidet zwischen Hartschalenhelmen und In-Mold-Helmen. Bei Letzteren werden Schale und Hartschaum miteinander verschweißt, das ist etwas teurer und erfordert mehr Schritte in der Fertigung. Anbauteile wie Rücklichter oder Sturzsensoren kommen ebenfalls bei Premiummodellen zum Einsatz. Wichtige Features, die den Preis nach oben treiben können, sind überdies Höhenverstellbarkeit, Reflektoren und ein Visier beziehungsweise eine Sonnenblende. Sporthelme sind auch durch das geringe Gewicht meist etwas teurer und zuletzt erhöht auch das Design von Topmodellen den Entwicklungsaufwand und damit die Kosten.
Was sollte ein guter Fahrradhelm mindestens kosten?
Das ist schwierig zu beantworten. Auch die Helme, die von Discountern auf den Markt gebracht werden, erfüllen die in Europa geltenden Prüfungsnormen. Im Bereich der Produktverarbeitung, der verwendeten Materialien zum Beispiel beim Innenpolster und in Sachen Passform gibt es aber große Unterschiede. Unser günstigster Helm kostet 49,95 Euro, hat eine über Jahre hinweg bewährte Passform, ein hochwertiges Verstellsystem, ein antibakterielles Innenpolster und wird in Deutschland produziert.
Woran erkenne ich, dass mein Helm richtig sitzt? Wie stelle ich meinen Helm richtig ein?
Die Helmgröße muss in erster Linie zum Kopfumfang passen. Als Anhaltspunkt für die richtige Größenauswahl wird der Kopfumfang zwei Finger breit (ca. 2 Zentimeter) über den Augenbrauen gemessen. In vielen Geschäften hält der Händler, Kopfmaßbänder bereit. Der Kopfgrößenbereich (Kopfumfang) wird auf dem Helm in Zentimetern angegeben. Wichtig ist, der Helm darf beim Tragen nicht drücken, er muss den Kopf aber spürbar umschließen. Der Helm sollte weder zu weit am Hinterkopf sitzen, da sonst die Stirn ungeschützt wäre, noch sollte der Helm zu tief in die Stirn gezogen werden, da er in dieser Position die Sicht beeinträchtigen könnte. Optimal ist eine waagrechte Positionierung des Helms.
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Mit dem Größenanpassungssystem kann die Größe des Helms individuell, häufig durch Drehen eines Rädchens, eingestellt werden. Einige Helm-Modelle sind zusätzlich mit einem Höhenanpassungssystem ausgerüstet, um den Helm optimal an den Hinterkopf anzupassen.
Ob der Helm fest sitzt, prüft man durch leichtes Kopfschütteln mit geöffnetem Gurtband. Dabei darf der Helm seinen Sitz nicht ändern. Eine optimale Passform ist erforderlich, damit der Helm seine Sicherheitsfunktion zu 100 Prozent erfüllt. Die seitlichen Gurtbänder sollten circa einen Finger breit unter dem Ohr zusammenlaufen. Zwischen Kinn und Gurtbandverschluss sollte Platz für zwei Finger sein.