Baselayer, Sport-Radhose, Regenhose

3 Bekleidungsstücke für mehr Fahrspaß im Winter

Für viele Radler ist der Winter eine verdammte Qual. Es regnet, stürmt, ist häufig dunkel und besonders kalt. Unser Redakteur, notorischer Starkfrierer, ist dieses Jahr so warm, trocken und glücklich wie noch nie durch den Winter geradelt – dank dieser drei Bekleidungsstücke, die er im Folgenden empfehlen möchte.

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Diese guten Dinge sind drei: Die Bib-Tight von Castelli für sportliche Zwecke, das Merino-Unterhemd von Falke für alle Fälle und die Gore-Regenhose, wenn's wie aus Kübeln gießt. Ein starkes Trio, um gelassen und mit Freude durch den Winter zu radeln.

Die Kollegen können mein Gejammer schon länger nicht mehr hören. Bei jedem Shooting unter 20 Grad mosere ich am Wetter rum. Ist es kühl, friere ich noch mehr als dass ich nörgle. Kommt noch Wind hinzu, ist der Tag eigentlich gelaufen. Und regnet es obendrein noch, ach, ich hasse Regen! Nichts ist zu vergleichen mit dem wohligen Gefühl, bei Sonne, Trockenheit und zweistelligen Temperaturen friedlich dahin zu radeln, wirklich nichts. So meine Meinung. Die ich jetzt revidieren muss.
Denn es hilft ja alles nichts. Die Arbeit muss bei BIKE BILD auch im Winter gemacht werden, und das heißt eben auch: radeln, radeln, radeln. Die Bikes lassen sich schließlich nicht von allein bewegen und testen. Diesen Winter habe ich daher in Sachen Bekleidung etwas experimentiert, wollte herausfinden, was wirklich wärmt, was gegen Regen schützt, was bei einem Vielschwitzer wie mir funktioniert – mit dem Ergebnis, dass ich mich erstmals auf dem Weg zur Arbeit nicht vom Regen habe stoppen lassen und in die Bahn ausgewichen bin – dank exzellenter Regenhose. Oder bei deutlich unter zehn Grad sogar Kilometer auf meinem Rennrad, einem Crossrad und verschiedene Gravelbikes abgespult habe – dank der atmungsaktiven und wärmenden Kombination aus Merino-Baselayer und Bib-Tight.
Radfahren geht eben doch im Winter – viele werden es schon länger wissen, ich musste es erst lernen! Hierzu braucht es nur ein ausgeklügeltes Bekleidungskonzept und hochwertige Schichten. An dieser Stelle möchte ich daher meine Top-3-Bekleidungsteile vorstellen, die mich so gut wie noch nie durch den Winter, der in Hamburg sehr, sehr nass war, gebracht haben.

Falke Langarmshirt Wool-Tech, Preis: 120 Euro

Langarmshirt Wool-Tech von Falke im Test

Über die Vorzüge von Merino haben wir uns an dieser Stelle ausführlich ausgelassen. Wenn von Merino die Rede ist, ließt man häufig den Slogan: Kühlt, wenn's warm ist, und wärmt, wenn's kalt ist. Wie soll das leichte und dünne Shirt wärmen? Das will man fragen, wenn man das Merino-Shirt von Falke in den Händen hält. Der Hersteller unterstellt: "Schutz bei kalten bis sehr kalten Außentemperaturen." Die Bestätigung tritt in der Praxis ein: Diese Shirt kann wesentlich mehr, als es den Anschein erweckt und wärmt zusammen mit einer guten, isolierenden Radjacke sogar bei Temperaturen zwischen 10 und 5 Grad. Der dehnbare Baselayer sitzt angenehm, eher locker als eng, und schmiegt sich schön dem Körper an. Der hohe Kragen (mit Reißverschluss) stellt sicher, dass man leicht ins Shirt schlüpfen kann und dass der Hals gewärmt wird. Problematisch wird es, wenn das Merino-Shirt erstmal nass geworden ist – denn dann kühlt das feuchte Shirt (Verdunstung) und erzielt so den gegenteiligen (und allenfalls im Sommer gewünschten) Effekt. Es empfiehlt sich daher, bei dem Langarmshirt keine weitere Zwischenschicht zwischen Baselayer und Jacke zu verwenden und eine gut isolierende Jacke zu verwenden, um einen etwaigen Verdunstungseffekt zu vermeiden. Trotzdem ist das Falke-Shirt reinen Merino-Shirts überlegen, da neben der weichen Naturfaser weitere Kunstfasern (43 Prozent Polyamid, 2 Prozent Elasthan) eingearbeitet sind, die den Feuchtigkeitstransport verbessern. Sportler, die viel Flüssigkeit während der Bewegung verlieren, sollten dieses gesunde Verhältnis unbedingt im Blick haben. Und auf die Details achten: Beim Falke-Shirt werden typische Schwitzherde, etwa am Rücken, mit einer veränderten Webdichte und damit besserer Luftzirkulation verhindern. Eine Empfehlung für Sportler, die mäßig schwitzen. Wer stark schwitzt, muss die Schichten klug kombinieren und ist mit dem Falke-Baselayer besser aufgehoben als mit einem Langarmshirt aus reiner Merinowolle. Pendler dürften im Wool-Tech-Langarmschirt sehr schnell einen neuen Lieblingsbegleiter finden. Kostenpunkt: 120 Euro. Website: www.falke.com

Castelli Celocissimo 4 Bib-Tight, 119,95 Euro

Castelli Velocissimo 4 Bib-Tight im Test

Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie in Ihrem Kleiderschrank herumwühlen und doch fast immer bei demselben Bekleidungsstück landen? So erging es mir mit der Bib-Tight von Castelli. Egal, ob es mit dem Rennrad rausging, auf dem Cross- oder Gravelrad in den Wald (oder zum BIKE-BILD-Shooting) – diese Hose mit dem Nylon-Lycra-Stoffgemisch machte bei Temperaturen bis 5 Grad alles mit. Castelli steht für Radsport und so ist diese Trägerhose auch geschnitten – sportlich, italienisch sagt man auch, was nichts anderes bedeutet, dass man dringend eine Nummer größer kaufen sollte als üblich, sofern man kein italienischer Radprofi ist. Bei einer Bib-Tight verdient das Polster besondere Beachtung – und so punktet das sogenannte "KISS Air2"-Sitzpolster mit Langlebigkeit und Bequemlichkeit, ohne bei aller Bequemlichkeit den Kontakt zum Sattel zu verspielen. Top! Gut gefallen hat mir auch, dass die Hose mit einer angerauten Fleeceinnenseite ausgestattet ist. Wer zum Bibbern neigt, freut sich über diese wärmende und gleichzeitig flexible und atmungsaktive Stoffschicht. Fazit: Diese Bib-Tight zu einem sehr fairen Kurs bietet ohne Einschränkung alles, was sich Sportler wünschen. Die Trägerhose ist für 119,95 Euro erhältlich. Viele andere Winter-Tight sind um einiges teurer. Website: www.castelli-cycling.com

Gore C5 Active Trail, 199,95 Euro

Gore C5 Active Trail im Test

199,95 Euro verlangt Gore für diese Regenhose – der hohe Preis ist durchaus erklärungsbedürftig. Außergewöhnlich ist an diesem Modell die Atmungsaktivität. Man kennt es, dass es unter Regenhosen gern zugeht wie in der Sauna. Das patentierte Gore-Tex-Material ist hier ein guter Kompromiss aus Wasserdichtigkeit und Atmungsaktivität und funktioniert in der Praxis prima. Außerdem überzeugt an dieser Hose die Passform und der mit Silikon verstärkte Hosenbund, der lästiges Rutschen verhindert. Intelligent sind die eingearbeiteten Verschlüsse im Wadenbereich für schnelles Anziehen. So konnte ich immer zügig aufs Wetter reagieren und bei Bedarf eine Überdachung ansteuern und die Hose nach einem kurzen Stopp schnell über die Jeans überstülpen. Noch eine Anmerkung zum Preis: Ich habe seit Oktober getrackt, an wie vielen Tagen ich normalerweise Regen bedingt die Bahn genommen hätte und nicht Rad gefahren wäre, um herauszufinden, wie viel Geld sich durch den Einsatz einer Regenhose sparen lässt. Es waren 24 Tage, lege ich den Tarif für eine Fahrt in eine Richtung von 2,23 Euro zugrunde, lande ich bei 107 Euro in den vergangenen Monaten (den Fitness-Benefit gar nicht eingepreist). Spätestens nächsten Winter würde sich die Regenhose auch finanziell rentieren. Website: www.gorewear.com
Daniel Eilers

von Daniel Eilers

Daniel Eilers ist Redakteur bei BIKE BILD. Räder sind für ihn zweierlei: das perfekte Sportgerät und klügste Fortbewegungsmittel unserer Zeit.