Radsportbekleidung für die Übergangszeit

Im Test: Adapt Line von Santini & Polartec

Santini will mit der Adapt Line in Zusammenarbeit mit den Funktionsspezialisten von Polartec eine – Zitat – "multisaisonale" Bekleidungslinie entwickelt haben. Ob so ein Husarenritt funktioniert? Der Frage sind wir nachgegangen und haben im Herbst, Winter und Frühjahr das Set aus Radhose, Baselayer und Langarm-Jersey während unterschiedlicher Witterungsverhältnisse getestet.

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Perfekt für milde Winter-, Herbst- und frische Frühlingstage – die Adapt Line von Santini & Polartec

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Die neue Adapt Line von Santini in Kooperation mit Polartec bietet ein beeindruckend breites Einsatzspektrum im Radsport-Alltag. Das "multisaisonale" Versprechen konnte das Set im Langzeittest einhalten. Zum absoluten Lieblingsstück des Autors ist der Baselayer geworden: warm, bequem und schlau geschnitten. Minimale Abzüge gibt es für das Langarm-Jersey, weil es mit dem eisigen Hamburger Wind so seine Probleme hatte. Das Set beurteilen wir trotz kleiner Schwächen des Langarm-Jerseys insgesamt mit "sehr gut", weil sowohl der Baselayer als auch die Bib-Tight herausragende Bekleidungsstücke sind.

Pro

  • wärmende Bekleidungsschicht
  • geruchsarme Merinowolle
  • Sportliche Passform (Größen fallen klein aus!)
  • Sicherheitsfeatures

Kontra

  • Jersey: windanfällig
Die größte Hürde für Radsportbekleidung sind wechselhafte Bedingungen. Dieser Grundsatz kommt umso mehr zum Tragen, je sportlicher man als Radler unterwegs ist und je stärker und schneller man dadurch schwitzt. Dann kann es schnell vorbei sein mit der Freude auf dem Rad, sollte man Gefahr laufen auszukühlen oder dass sich die Hitze unter der Bekleidung staut. Schlaue Funktionskleidung muss daher nicht nur wärmen, sondern auch gleichzeitig die Feuchtigkeit effektiv abtransportieren können. Je flexibler und vielseitiger die Bekleidung auf wechselnde äußere Bedingungen reagiert, desto besser für den Piloten. Soweit die Theorie.
Der italienische Radbekleidungshersteller Santini hat sich deswegen für die – nach eigenen Angaben – "multisaisonale" Bekleidungslinie Adapt Line, die eben jenes Problem mit den wechselhaften Wetterbedingungen lösen soll, mit den Funktionsexperten von Polartec zusammengetan, um ein Produkt für die Übergangszeit, also für milde Wintertage, für kühle Frühlingstage und für raue Herbsttage zu entwickeln.
In den von uns getesteten Produkten (Baselayer, Jersey, Bib-Tight) kommt die sogenannte "Polartec Power Wool" zum Einsatz. Das Prinzip dahinter: Auf Basis von geruchsarmer Merinowolle wärmt das mit synthetischen Fasern optimierte Produkt bei kühlen Temperaturen. Steigt die Körpertemperatur und nimmt die Schweißproduktion zu, soll die Faser darauf angeblich "reagieren" können und für Kühlung sorgen – so lautet jedenfalls das Herstellerversprechen. Was im Praxistest rauskam, lesen hier:

Santini Adapt Jersey

Santini Adapt Jersey im Test

Eindruck: Das Adapt-Jersey ist extrem eng geschnitten. Der Tester, der sonst M bis L trägt, kam zusammen mit dem Baselayer (siehe unten) sogar mit dem XL-Testmuster zurecht. Einem anderen Redaktionsmitglied, sonst in Größe L unterwegs, war das Jersey zu eng. Allen Engpässen zum Trotz liegt das Stoffgemisch aus Merinowolle und Kunstfasern wohlig und weich an und wärmt angenehm bis maximal 5 Grad. Darunter würden wir das Langarm-Jersey nicht mehr tragen. In Kombination mit einem dünneren Baselayer markieren 15 Grad das obere Ende der Temperaturskala. Die beiden Armbündchen, das Taillenband sowie der Silkonabschluss am Rücken schließen sauber ab und halten das Oberteil an Ort und Stelle. Ein paar Regentropfen machen dem leicht wasserabweisenden Oberteil nichts aus, doch schon bei mäßigem Regen empfehlen wir unbedingt, auf eine Regenjacke zurückzugreifen, oder eine überdachte Bushaltestelle anzusteuern. Für Sichtbarkeit sorgen neben dem in Orange gehaltenen Leuchtstreifen quer übers Jersey zwei kleine reflektierende Silikonlaschen an der Rückseite, die gern etwas großzügiger ausfallen dürfen – schließlich kann man auf dem Rad nie genug gesehen werden. In den drei Rückentaschen finden Smartphone, Luftpumpe und andere Kleinteile Raum. Wer zusätzliche Bekleidungsstücke (im Winter einen zweiten Baselayer zum Beispiel) transportieren möchte, gerät jedoch schnell in Platzmangel. Zudem haben wir eine Reißverschlusstasche für Schlüssel und andere wichtige Wertsachen vermisst. Im Testzeitraum hat uns das Jersey als wärmender Begleiter vor allem an kühlen, windstillen Tagen gefallen. Eine Schwachstelle ist uns bei aller Begeisterung dann doch aufgefallen: An die Winddichtigkeit des Gore-Tex-Infinium-Materials kam das Adapt Jersey nicht heran.
Preis: 169 Euro

Santini Adapt Bibtights

Baselayer Santini Grido

Eindruck: Der Baselayer ist in zwei Varianten erhältlich, als lang- und kurzarm. Der Stoff besitzt natürlich Stretch-Eigenschaften, wodurch der Baselayer perfekt anliegt. Merino-Wolle als erste Schicht ist ohnehin empfehlenswert im Winter, weil die Naturfaser wärmende Eigenschaften besitzt und nicht unangenehm riecht. Schlau ist vor allem der Schnitt: vorn und hinten, dort wo sich ein Baselayer beim Radeln gern mal verzieht oder bei zu gestreckter Haltung aus der Hose rutscht, hat Santini etwas mehr Stoff spendiert. Dadurch wird der untere Rücken, eine bekannte Schwachstelle bei Frauen, effektiv gewärmt – super! Ebenso gelungen ist der leicht verstärkte Rundkragen-Abschluss, der dank Stretch nicht einschnürt, aber eng anliegt, sodass keine kalte Luft eindringen kann – dies gilt auch für den Ärmel-Abschluss. Der Merino-Baselayer ist eine glatte Eins und jeden Euro wert!
Preis: 129 Euro

Baselayer Santini Grido

Santini Adapt Bibtights

Eindruck: Zur schlechten Nachricht: Die Bib schlägt mit satten 229 Euro zu Buche. Hierfür bekommt man indes ein ausgeklügeltes Stoff-Konzept geboten. Die weiche Innenseite aus Merinowolle wird kombiniert mit einer haltbaren Außenschicht aus Synthetikfasern. Das Prinzip geht voll auf bei Wind und Wetter. An die Grenze kommt die Bib erst, wie schon das Jersey, wenn sie von Außen nass wird. Das Polster erwies sich auf längeren Wintertouren (bis drei Stunden) als angenehm und komfortabel. Die Hose, wie auch die ganze Bekleidungslinie, ist recht sportlich geschnitten. Sollten Sie zwischen zwei Größen landen, ist besser immer die größere zu wählen. Und selbst dann werden Hose oder Oberteil sportlich eng sitzen. Am Beinabschluss hat Santini der Hose links und rechts großzügige Reflektoren spendiert – so werden Radler in der Dämmerung oder Dunkelheit besser wahrgenommen; noch besser wäre, wenn die Reflektoren nicht zur Seite, sondern nach vorn oder hinten abstrahlen würden, wenn Autos überholen oder entgegen kommen. Insgesamt eine tolle Radhose, die wir jedem empfehlen können. Wenn nur nicht der hohe Preis wäre!
Preis: 229 Euro

Fazit: Adapt Line von Santini & Polartec

Die neue Adapt Line von Santini in Kooperation mit Polartec bietet ein beeindruckend breites Einsatzspektrum im Radsport-Alltag. Das "multisaisonale" Versprechen konnte das kostspielige Set im Langzeittest einhalten. Zum absoluten Lieblingsstück des Autors ist neben der gelungenen Bib-Tight der Baselayer geworden: warm, bequem und schlau geschnitten. Minimale Abzüge gibt es für das Langarm-Jersey, weil es mit dem kühlen Hamburger Wind so seine Probleme hatte. Aber an diesem ist schon so manches Bekleidungsstück gescheitert.
Weitere Informationen auf www.santinicycling.com oder www.polartec.com.

Moderne Farbgebung, überzeugende Eigenschaften: Die Adapt Line von Santini & Polartec hat unseren Tester warm durch die Übergangszeit gebracht.