Radschuh für Offroader

Shimano S-Phyre XC 9 im Dauertest

S-Phyre markiert im Shimano-Portfolio die Spitzenklasse der Radschuhe. Das Modell XC 9 richtet sich an Offroader und kann auf dem Gravelbike oder in Cross-Country- und Cyclocross-Rennen getragen werden. Überrascht hat uns vor allem, wie vielseitig der Schuh einsetzbar ist.

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Unser Testobjekt nach fast 2.500 Kilometern: Der Radschuh Shimano S-Phyre XC 9 entpuppt als äußerst bequemer und robuster Radschuh. Trotz Schlamm, Dreck und Regen sieht der Schuh fast wie neu aus. So geht Qualität!

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Auf Performance und für Offroad-Rennen ausgelegter Radschuh der Spitzenklasse. Die Passform trifft unseren Nerv, der Schuh zeigt nach 2.500 Kilometern im Gelände trotz Regen und Dreck kaum bis gar keine Verschleißerscheingungen. Trotz Race-Genen bleibt dieser Schuh stets bequem, daher nicht nur für Cyclocrosser, sondern auch für entspannte Gravelbike-Touren absolut empfehlenswert. Kurzum: Toller Schuh ohne echte Schwächen, bis auf den hohen Preis zwischen 260 (online) bis 359,99 Euro (UVP).

Pro

  • Bequeme Passform, langstreckentauglich
  • Viele Größen (sogar unterschiedliche Breiten)
  • Fixierte Ferse, verstärkte Zehenkappe
  • Langlebigkeit, robustes Material
  • Gute Gummimischung
  • Boa-Verschluss

Kontra

  • Preis

Shimano S-Phyre XC 9

Kurz und schmerzlos: Der S-Phyre XC 9 von Shimano kostet UVP 359,99 Euro. Der Fairness halber sollte man ergänzen, dass sich mit weniger Recherchearbeit im Internet schnell Angebote von ca. 260 Euro bis 300 Euro ausfindig machen lassen. Nur verständlich, wer mit dem Argument "Das ist zu viel Geld für einen Schuh" an dieser Stelle aussteigt. Wer indes auf der Suche nach einem Radschuh ist, der nach über zweitausend überwiegend im Gelände absolvierten Kilometern, forderndem Cyclocross-Training und einem nassen Cycloross-Rennen die Prädikate "Sieht aus wie am ersten Tag" und "einer der bequemsten Radschuhe, den ich je anhatte" erhält, sollte dem Schuh trotz des hohen Preises einen Moment Lesezeit opfern.

Rutschfestes Gewebe, um das Herausschlüpfen der Ferse beim Gehen an steilen Anstiegen zu verhindern.

Den Shimano S-Phyre XC 9 haben wir im November 2019 zum Testen erhalten. Seitdem hat der Schuh – grob überschlagen – knapp 2.500 Kilometer auf dem Buckel. Dabei wurde mit ihm stets hart ins Gericht gegangen: Matsch, Regen, Kälte, immer und immer wieder, auf dem Renner, Gravelbike und Crossrad. Der S-Phyre XC wurde dabei nicht nur zum Offroadschuh, sondern zum Winterschuh des Autors, Passform, Vielseitigkeit und Robustheit konnten derart überzeugen. Bei einem Schuh dieser Preisklasse ist es wichtig, die Nutzungsdauer zu erwähnen, da die Haltbarkeit ein wichtiges Bewertungskriterium ist. Denn wenn der Schuh deutlich weniger verschleißanfällig ist wie günstigere Modelle, erscheint der Preis schon wieder in einem anderen Licht.

Passform: Breite Zehenbox, geschmeidiges Obermaterial

Ein Schuh muss passen – das ist eh klar. Da Füße und Zehen aber mitunter sehr verschiedene Ausprägungen genießen – Zehenbreite, Senk- oder Spreizfuße, etc. – hilft einerseits probieren. Oder eben auch, herstellerseitig viele unterschiedliche Größen im Sortiment zu führen, um unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden. Shimano bietet den Shimano S-Phyre XC 9 in Größen von 38 bis 48 an sowie in einer breiten Ausführungen von 41 bis 47. Die Bandbreite ist schwer zu überbieten. Tipp: Beim Komponentenriesen sollten Sie den Schuh lieber eine Nummer größer bestellen. Dass der Schuh mit breiterer Zehenbox verfügbar ist, halten wir für einen großen Pluspunkt, denn wie oft hat man schon gehört oder erlebt, dass die Zehen einschlafen oder gequetscht werden?

Die Keile (per Klettverschluss fixiert) lassen sich austauschen. Dadurch kann der Stand im Schuh individualisiert werden.

Zwar ist der S-Phyre XC 9 als Performance-Radschuh klassifiziert (als S-Phyre bezeichnet Shimano seine Highend-Radschuhe) und für Rennen im Gelände konstruiert worden, dennoch fährt sich das Modell überraschend angenehm, nahezu gemütlich, und eignet sich daher nicht nur für den Einsatz in kurzen, knackigen Rennen, sondern auch für lange (Bikepacking-)Touren oder auf Gravel-Tagestouren. Hierfür maßgeblich verantwortlich zeichnet sich das in einem Stück gefertigte (und nicht genähte) Obermaterial aus synthetischem Leder, das sich wie eine zweite Haut – Achtung, keine Floskel, sondern wirklich spürbar wahr – an den Fuß anschmiegt, nachdem man den Schuh mittels zwei Boa-Verschlüsse präzise arretiert hat. Im Zusammenspiel mit der hochgezogenen Fersenkappe, deren Fasern das Verrutschen des Fußes vor allem während der Ziehphase eindämmen, gar verhindern, setzt dieser Schuh Maßstäbe hinsichtlich der Passform.

Carbonsohle vom S-Phyre XC 9 im Check

Die mit dem als antimikrobiell geltende Textil Silvadur ausgestattete Innensohle bietet ein hohes Maß an Anpassbarkeit. Per Klettverschluss wird der Sohlenkeil fixiert und lässt sich im Handumdrehen austauschen, um den Schuh ans eigene Fußgewölbe anpassen zu können, es mithin höher oder tiefer zu stellen. Silvadur kommt auch im Innenraum des Schuhs zum Einsatz und soll in Tateinheit mit den perforierten Belüftungslöchern unangenehme Gerüche vermeiden. Und was bedeutet das hinsichtlich des Temperaturmanagements des Schuhs? Wir haben den Schuh bei allen Witterungsverhältnissen getragen, die der Hamburger Herbst und Winter sowie das Frühjahr hergaben, auch bei Graden unter Null in Kombination mit einem Überschuh und wärmenden Merinosocken. Unser Eindruck: Trotz der Belüftungslöcher neigt der XC 9 dazu, den Fuß warm zu halten, ohne ihn dabei zu garen. Ein netter Nebeneffekt entsteht durch die verstärkte und abgerundeten Zehenkappe, die nicht nur vor Hindernissen schützt, sondern auch kühlen Wind bis zu einem gewissen Maß von den Zehen fern hält. Erst in Kombination mit Neoprenüberziehschuhen kriegt man den Schuh zum Überhitzen, aber wen wundert's?

Zwei-Loch-Aufnahme für MTB-Pedale, umringt von einer griffen Außensohle aus Gummi.

Innen hui – und außen pfui? Mitnichten. Klar, Carbon gehört bei einem Schuh dieser Preisklasse zum Pflichtprogramm, das überrascht kaum. Und diese im Shimano XC 9 flach aufbauende Carbonsohle macht einen äußerst steifen Eindruck, ähnlich steif wie beim S-Works Recon, und überträgt die Muskelkraft verzögerungs- und verlustfrei aufs Pedal. Shimano gibt den Steifigkeitsindex mit 11 an, mehr geht ohnehin nicht. Der XC 9 kann es daher hinsichtlich der Kraftübertragung mit vielen Straßenmodellen auf dem Markt aufnehmen. Allenfalls das vergleichsweise hohe Gewichts des Schuhs von über 500 Gramm pro Paar stellt einen erheblichen Unterschied zu den Straßenmodellen dar.

Geländetaugliche Geh-Eigenschaften

Und es gibt noch ein Unterschied zum Straßenradschuh: Im Unterschied zum S-Phyre-Roadmodell nimmt der Härtegrad in Fersenrichtung ab, was dazu führt, dass man mit dem XC 9 im Gelände bequem gehen kann. Flexibilität bietet der Schuh konstruktionsbedingt natürlich keine, stattdessen aber gemütliches Gummi von Michelin in der Außensohle, das für Grip im matschigen Geläuf sorgt. Unsichere Cyclocrosser aufgepasst: Das Gummi-Element unterhalb der Cleat-Aufnahme (an der Stelle, wo das Michelin-Logo sitzt) erwies sich als praktisches Sicherheitsfeature, sollte der Fahrer nicht direkt einklicken können und auf dem Pedal ins Rutschen kommen. Grundsätzlich gilt: Dank des sicheren Stands im Schuh und der rutschfesten Ferse lässt sich jede Gehpassage mühelos erklimmen. Für besonders grobe Terrain können bis zu 18-Millimeter-Spikes befestigt werden.

Shimano S-Phyre XC 9 im Dauertest – Fazit

Der Schuh hat so gut gefallen, dass er zuletzt sodar indoor auf dem Smarttrainer zum Einsatz kam, da am Rennrad ein leichteres Modell den Vorzug erhielt. Ein Offroad-Schuh, der so gut gefällt, dass man ihn auf dem Smarttrainer fährt? Klingt total bekloppt, aber sagt andererseits alles über die Wohlfühl-Eigenschaften dieses Schuhs aus. Den Schuh gibt es in den Farben blau, grün und schwarz – und ganz neu ab Mitte dieses Jahres auch in silber. Wir halten es für falsch, den Shimano S-Phyre auf den Renneinsatz zu beschränken. Aufgrund des hohen Komfortfaktors eignet sich dieses Modell ebenso als verlässlicher, robuster und bequemer Begleiter auf längeren Off-, und ja, auch das: Onroadtouren.

Der Shimano S-Phyre XC 9 im Härtetest. Unser Redakteur trainierte mit dem Schuh den kompletten Winter und saute ihn beim Crossrennen so richtig ein.

Shimano S-Phyre XC 9

Daniel Eilers

von Daniel Eilers

Daniel Eilers ist Redakteur bei BIKE BILD. Räder sind für ihn zweierlei: das perfekte Sportgerät und klügste Fortbewegungsmittel unserer Zeit.