Carbonlaufräder fürs Gravelbike

Allroad-Laufradsatz Kyzr GRX35 im Test

Das deutsche Unternehmen Kyzr entwickelt und baut Laufräder per Hand in Berlin auf. Wir haben den neuen, sehr leichten Allroad-Laufradsatz GRX35 auf Herz und Nieren getestet – im Alltag und Extremsituationen.

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Für 1.049 Euro bietet Kyzr Allroad-Laufräder aus Carbon an. Das niedrige Gewicht setzt Maßstäbe: nur 1.410 Gramm wiegt der Satz.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Der Allroad-Laufradsatz von Kyzr zeigt in verschiedenen Szenarien keine Schwäche in puncto Handling und Performance und lief fast 1.000 Kilometer lang auf Asphalt und Schotter, über Stock und Stein zuverlässig. Das extrem niedrige Gewicht von 1.410 Gramm ist ein Schmankerl. Ob man so viel Leichtbau braucht? Das muss jeder selbst wissen. Aber wo kriegt man sonst einen kletterfreudigen Carbon-Laufradsatz unter 1,5 Kilogramm für knapp 1.000 Euro her? Vielleicht ist deswegen der GRX35 aus der Laufrad-Boutique KYZR aktuell der Laufradsatz mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis auf dem Markt.

Pro

  • extrem leicht und stabil
  • Reifenbreite von 28 bis 50 mm
  • vielseitig einsetzbar: Gravelbike, Endurace
  • tubeless ready
  • nicht windanfällig
  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • guter Service
  • Reifen sitzt sehr luftdicht in der Felge

Kontra

  • Nicht für Campagnolo-Freilauf erhältlich
Neben den großen Playern wie Zipp und DT Swiss gibt es weitere Laufradhersteller, die mit guter Qualität und fairen Kursen locken. Zuletzt hatten wir in diesem Zusammenhang die Carbon-Laufräder Allround GCX Terra 40 | 40 von Aerycs getestet. Mit Kyzr wollen wir einen weiteren Laufradhersteller ins Spiel bringen, der einen preislich extrem attraktiven Laufradsatz aus Carbon anbietet für Gravelbiker und Bikepacker, die ihrem Fahrrad ein schnelles Upgrade verpassen wollen.
Kyzr wurde 2016 von dem erfolgreichen Triathlet in den 90er-Jahren, Stefan Hintze-Karsten, gegründet. Als Teil der Triathlon-Nationalmannschaft hat er mehrfach an Welt- und Europameisterschaften teilgenommen. Daher überrascht es nicht, dass das Unternehmen mit Sitz in Berlin eben in diesem Segment besondere Expertise mitbringt und seine ersten Laufräder für die Zielgruppe der Triathleten modelliert hat. Aerodynamik und Leichtbau – das sind die Steckenpferde von Kyzr.

Wahnsinnig niedriges Gewicht

Neu im Sortiment ist seit diesem Jahr ein Allroad-Laufradsatz. Allroad – das klingt zunächst nach Gemütlichkeit und Alltagstauglichkeit statt Performance und Leichtbau. Doch weit gefehlt! Der GRX35 ist ein Wolf im Schafspelz, das zeigt bereits der erste flüchtige Blick aufs Gewicht. Denn der Satz schafft es mit 1.410 Gramm deutlich unter der magischen Marke von 1,5 Kilogramm zu bleiben. Das ist ein absoluter Spitzenwert in dieser Klasse. Zum Vergleich: Zipps neuer Allroad-Laufradsatz 303S, der – auch preislich – in einer vergleichbaren Liga spielt, wiegt über 100 Gramm mehr. Klingt nicht viel, ist aber in diesen Regionen ein Klassenunterschied.
Nun gut, Radfahrer, die mit mehreren Kilogramm Gepäck unterwegs sind, mögen einwenden: Was scheren mich diese 100 Gramm? Hierzu sollte man sich klar machen, dass rotierende Massen einen größeren Einfluss aufs Fahr- und Ansprechverhalten haben als statische. Es macht allen Unkenrufen zum Trotz eben doch einen gravierenden Unterschied, ob Sie oder Ihre Laufräder 100 Gramm abspecken. Und noch ein Punkt ist in diesem Zusammenhang zu beachten: Das Geniale am Gravelbike ist seine Vielseitigkeit. Gerümpel ab, schmaler Reifen aufs Laufrad – und schon kriegt man mit dem Kyzr GRX35 ein leichtes und pfeilschnelles Quasi-Rennrad, mit dem man auch Berge fahren kann.
Das kann ja jeder schreiben, oder? Wir wollten es jedenfalls genauer wissen und sind im Testzeitraum mit dem GRX35 aufs Stilfser Joch auf 2.757 Meter hochgefahren. Das Beschleunigungsverhalten war dem niedrigen Gewicht erwartbar effizient und kletterfreudig. Leistung wurde direkt in Vortrieb verwandelt. Auch bei der folgenden Abfahrt stellten die Laufräder unter Beweis, dass sie selbst Extremsituationen mühelos parieren. Auch bei Geschwindigkeiten von mehr als 60 Kilometern pro Stunde blieb das Vorderrad stabil und zeigte sich von Seitenwind unbeeindruckt. Für leichte Unsicherheit sorgte allenfalls mit Schwalbes G-One Allround (40 mm) die Bereifung. Aber klar, das Alltagstalent aus der G-One-Serie ist nicht für knackige Kurven und Abfahrten ausgelegt.

Breite Felge, breiter Reifen, breite Gabel sorgen für viel Fahrstabilität.

Technisch gesehen: State of the Art

Der GRX35 wird tubeless ready ausgeliefert, das heißt, die Laufräder sind vorbereitet für die Montage von Tubeless-Reifen. Für Felgenbremsen gibt es den Laufradsatz indes nicht, die GRX35 sind auf das Achsenmaß 12x100 Millimeter (vorn) und 12x142 Millimeter (hinten) getrimmt. Das Gute: Andere Achsenmaße können aber angefragt und bedient werden. Hier helfen kurze Kontaktwege nach Berlin. Service wird bei Kyzr groß geschrieben.
Das aerodynamisch als besser geltende bauchige Laufradprofil gepaart mit einer großen Maulweite setzt sich zunehmend durch. Das hängt mit dem Trend zu breiteren Reifen zusammen. Im Radsport hat man sich vom 23-Millimeter-Reifen längst verabschiedet und liegt irgendwo zwischen 25 und 28 Millimetern – je nach Straßebelag und Kurs. Im Triathlon geht man indes noch breiter und fährt gern die Kombination aus 28-Millimeter-Reifen vorn und 30-Millimeter-Reifen hinten. Denn je breiter der Reifen wird, desto weniger Luftdruck kann man fahren bei gleich guten (oder besseren) Rolleigenschaften. Nebenbei verbessert sich auch noch die Vibrationsdämpfung. Breite Reifen brauchen breite Felgen, damit diese sicher sitzen und geschmeidig laufen. Im Rennradbereich pendelt sich die Innenmaulweite zwischen 17 und 20 Millimetern ein, im Gravel- und Allroad-Segment geht man darüber hinaus.
Das GRX35-Testmuster von Kyzr bietet mit einer Innenmaulweite von 22 Millimetern einen modernen Kompromiss aus Komfort und Vielseitigkeit. Der Hersteller gibt den Satz für Reifen zwischen 28 und 50 Millimetern frei. Damit sollte gemeinhin jeder Rennradler, Gravelbiker oder Bikepacker versorgt sein. Zudem erleichtern breite Laufräder enorm die Montage. Dämpfung und Komfort sind bei Allroad-Laufrädern wichtiger als Steifigkeit im Sprint, wo die Laufräder merklich behäbiger reagieren als die Rennradkonkurrenz. Auf der Suche nach maximaler Performance würde man daher bei schmaleren und höher gebauten Laufrädern landen. Doch wenn man den größtmöglichen Kompromiss aus Steifigkeit, Komfort, Aerodynamik und Leichtigkeit sucht, sind die 35 Millimeter hohen GRX35 in ihrer Klasse ganz vorn dabei.
Tubelessventile sind im Kaufpreis nicht enthalten und können zum Aufpreis von 10 Euro zusätzlich erworben werden. Genauso eine Laufradtasche für 49 Euro. Kyzr bietet den GRX35 für 11-fach-Freiläufe von Shimano und Sram an. Die Vorbereitung für den XDR-Freilauf von Srams 12-fach-Schaltung schlägt mit 40 Euro zu Buche.

Sauberer Abschluss zwischen Reifen und Felge. Dadurch bleibt die Luft lange im Reifen und das Fahrverhalten ist nicht schwammig.

Auch ein Alltagsgenie

Vom Stilfser Joch in Südtirol zur Hamburger Elbchaussee: Natürlich wollten wir auch wissen, wie sich der Satz im Alltag schlägt, schließlich steckt im Schlagwort "Allroad" unserer Meinung nach auch das Anforderungsprofil "Alltag". Auf dem Weg zur Arbeit ist Komfort wichtiger als Performance, das heißt erstmal, gnadenlos Luft abzulassen. Das breite Felgenbett der GRX35 lässt den Move zu – und tubeless macht es möglich, mit drei oder zwei oder noch weniger bar zu fahren. Gleichzeitig verbessern sich auch Stabilität und Kontrolle, wenn der Reifen im Felgenbett mehr Aufstandsfläche gewinnt. Und drittens kommt auch noch das Komfortplus von Carbon gegenüber Aluminium hinzu. Eine Win-Win-Win-Situation im Alltag, die erfahrbar und spürbar ist. Sowohl auf Asphalt als auch auf Kieselstein-Wegen entlang der Elbe kamen wir geschmeidig und pünktlich ins Büro.
Das größte Alltags-Kunststück gelingt der Laufrad-Reifen-Kombination dabei nicht auf der Piste, sondern im Abstellraum und Keller. Denn der Reifen verliert praktisch keine Luft. Tubeless-Fahrer kennen das: Trotz vieler Vorteile nervt das ständige Aufpumpen bei manchen Reifen gewaltig. Tatsächlich musste nur alle zwei bis drei Wochen nachgepumpt werden. Super für einen 40-Millimeter-Reifen!
Bleibt die Frage nach Langlebigkeit und Robustheit. Dass ein paar Hamburger Kieselsteine und Bordsteine das Leichtgewicht nicht an die Grenze bringen, dürfte erwartbar gewesen sein. Deswegen haben wir das Testmuster mit 24 Sapim-CX-Ray Messerspeichen vorn und hinten auch durch den Wald und über Trails und sogar einen Flowtrail in den Alpen gejagt. Selbst diese Hürde außerhalb der Allroad-Komfortzone meisterte der GRX35 mit Bravour, schluckte Wurzelpisten und mäßig verblockte Wege souverän und blieb im gesamten Testzeitraum von drei Monaten ohne Verschleißerscheinungen.

Fazit Kyzr GRX35

Der Allroad-Laufradsatz von Kyzr zeigt in verschiedenen Szenarien keine Schwäche in puncto Handling und Performance, lief fast 1.000 Kilometer lang auf Asphalt und Schotter, über Stock und Stein zuverlässig und macht so der Allroad-Anforderung alle Ehre. Das extrem niedrige Gewicht von 1.410 Gramm ist ein Schmankerl. Ob man so viel Leichtbau braucht? Das muss jeder selbst wissen. Aber wo kriegt man sonst einen Carbon-Laufradsatz unter 1,5 Kilogramm für knapp 1.000 Euro her? Vielleicht ist deswegen der GRX35 aus der Laufrad-Boutique Kyzr aktuell der Laufradsatz mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis auf dem Markt.
Weitere Informationen unter: www.kyzr.de