Besser sitzen, schneller fahren

Im Test: Der SQlab Sattel 612 Ergowave R

Der Sattel ist einer der wichtigsten Kontaktpunkte zwischen Radfahrer und Fahrrad. Grund genug also, sich Gedanken darum zu machen und somit gesundheitliche Schäden zu vermeiden, um länger und intensiver Rad fahren zu können.

Datum:

Der SQlab 612 Ergowave R sieht spartanisch hart aus, ist aber sehr komfortabel

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Der SQlab-Sattel 612 Ergowave R ist sehr gut für sportliche Fahrer geeignet, egal ob sie mit dem Rennrad, dem Gravel- oder dem Mountainbike unterwegs sind. Allerdings müssen Radfahrer für die gesunde und Performance orientierte Sitzposition auch tief in den Geldbeutel greifen.

Pro

  • Extrem leicht
  • Entlastet den Dammbereich sehr gut
  • Sorgt für wenig Reibung zwischen Oberschenkel und Sattel

Kontra

  • Kostspielig

Der SQlab-Sattel 612 Ergowave R

Wer oft Fahrrad fährt, vielleicht sogar lange Strecken, zudem in sehr sportlicher, tief gebeugter Haltung, der kennt auch Sitzprobleme. Das kann von Druckschmerzen, die einen dazu zwingen, unruhig auf dem Sattel hin und her zu rutschen, bis hin zu Taubheitsgefühlen im Genitalbereich und sogar Kraftverlust in den Beinen führen.

Deutlich zu sehen, die hochgestellte Welle am Heck des Sattels, auf der die Sitzhöcker aufliegen sollen, und die Vertiefung weiter vorn, über welcher der Dammbereich positioniert wird.

Was lange Zeit von vielen Radfahrern unter dem Motto "ist halt so" hingenommen wurde, wollte die Firma SQlab aus Taufkirchen im Süden von München nicht länger hinnehmen und begann ergonomische Sättel zu entwickeln, die nicht nur in erster Linie Schmerzen vermeiden, sondern darüber hinaus auch eine bessere Leistung des Radfahrers und der Radfahrerin ermöglichen.
Die neuste Kreation aus der Firma von Gründer und Geschäftsführer Tobias Hild ist der Sattel 612 Ergowave R, der ab Ende Februar im Handel (Händlerverzeichnis) und auf der SQlab-Seite zu finden ist. Die Weiterentwicklung der schon bekannten Ergowave-Serie ist im Vergleich zu den bisherigen Modellen noch einmal kürzer, tailllierter und leichter. Tatsächlich wiegt das neue Topmodell gerade einmal 125 Gramm. Zum Vergleich: Andere, ebenfalls sehr gute und sportlich orientierte, Sättel von SQlab wiegen zwischen 180 und 220 Gramm. Viele Sättel von anderen Herstellern bringen es auch locker auf 280 Gramm – und finden sich zuhauf an Rennrädern, Gravel- und Moutainbikes. SQlab erreicht dieses geringe Gewicht beim 612 R, in dem sie dem Sattel die Streben aus Carbon spendieren.
Auch bei der Länge hat das Team um Tobias Hild den Rotstift angesetzt. Mit 252 Millimeter vom Heck bis zur Spitze ist der 612 R fast drei Zentimeter kürzer als seine Geschwister und auch im Vergleich zu anderen Herstellern spart er locker ein bis zwei Zentimeter ein.

Macht auf jedem sportlichen Fahrrad eine gute Figur: der 612 Ergowave R.

Der eigentliche Vorteil des 612 R ist jedoch die weiter ausgebaute Sitzstufe, die für die SQlab-Sättel typisch ist. Sitzt man korrekt auf dem Sattel, was bedeutet, dass ausschließlich die Sitzknochen auf der erhöhten, sogenannten Welle (darum Ergowave) aufliegen, wird der Dammbereich deutlich entlastet. Das ist extrem wichtig, denn genau hier verlaufen wichtige Nervenbahnen und Blutgefäße. Werden diese über einen längeren Zeitraum zu großem Druck ausgesetzt, eben weil der Sattel vielleicht zu schmal ist und somit zwischen den Sitzknochen des Radlers drückt, gibt es die oben angesprochenen Schmerzen und Taubheit. Letztere wiederum kann so weit führen, dass die Funktion der Genitalien beeinträchtigt wird.
Wir sind den Sattel in der 14-Zentimeter-Version gefahren (gemäß der SQlab-Philosphie haben wir zuvor eine Sitzknochenvermessung durchgeführt, eben damit die Sitzknochen perfekt auf der Welle liegen). Die ersten Fahrten waren zwangsläufig gewöhnungsbedürftig, denn die Position auf der Welle muss erst gefunden werden und man muss sich auch daran gewöhnen, diese Position beizubehalten. Nach zwei oder drei Fahrten ist die Sache indes verstanden und man goutiert die neue Position, weil sie in der Tat den Druck vom Damm nimmt.
Für uns war sehr schnell klar, dass wir mit diesem Sattel ohne Probleme Langstrecken bewältigen können, weil tatsächlich wenig Reibung zwischen Sattel und (auch kräftigen) Oberschenkeln entsteht. Kleine Zwischenbemerkung: Zusammen mit der Radhose SQ-Short One 12, die über ein nur 4 Millimeter dickes Sitzpolster verfügt (Test Radhose SQ-Short One 12), ersparten wir uns lästige gerötete Stellen, die wir ansonsten von 12-Stunden-Touren gewohnt waren. "Komisch, man sitzt komfortabel, obwohl ein Sattel eigentlich nicht viel härter sein kann", so einer unserer Tester verwundert. Und so gab es bei unserem Test nur ein kleines Manko: Bei längeren Fahrten in einer triathlon-typischen aerodynamischen Position, drückte der Dammbereich dann doch etwas auf der Sattelspitze, die wiederum recht straff ist.

Sieht nicht nur leicht aus – mit 125 Gramm ist der Sattel ein Federgewicht.

Fazit: Egal bei welcher Trittfrequenz und -intensität, wir fanden den 612 R sehr gut. Das System der Welle leuchtet nicht nur beim darüber Nachdenken ein, es verrichtet auch im Praxistest seinen Job. Allein, wer sich dieses System zulegen möchte, der muss mit 225 Euro tief in die Taschen greifen (die S-Tube-Variante gibt es für 149 Euro; Gewicht: 150 Gramm). Aber was tut man nicht alles für Gesundheit und Leistung?!

Der SQlab-Sattel 612 Ergowave R

Mathias Müller

von Mathias Müller

Mathias Müller ist Redaktionsleiter von BIKE BILD. Er liebt und lebt das Radfahren – auf dem Rennrad, Zeitfahrrad, Gravelbike, Mountainbike und Pendler-E-Bikes hat er schon knapp 200.000 Kilometer gesammelt.