Kaffee für unterwegs

Für Camper, Bikepacker, Radreisende: 10 Kaffeezubereitungssysteme im Test

Kaffee ist Kult – und darf auf keiner Radreise fehlen. Wir haben zehn Kaffeekocher für unterwegs getestet, dabei nicht nur auf den Geschmack geachtet, sondern auch das Augenmerk auf Kriterien wie Zubereitungsdauer und Reinigungsaufwand gelegt.

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Filtern, pressen, aufgießen: Viele Wege führen zu einem frischen Kaffee während einer Fahrradtour. Das Outdoor-Café gibt es für Radler immer gratis dazu.

Kaffee ist für die meisten Deutschen ein Lebenselixier, ein unverrückbarer Begleiter im Alltag. Der durchschnittliche jährliche Konsum liegt in Deutschland bei 164 Litern, das entspricht fast einem halben Liter – ja, wirklich! – pro Tag. Kein anderes Getränk wird mehr konsumiert, auch nicht des Deutschen so geliebtes Bier mit immerhin einem Pro-Kopf-Verbrauch von 95 Litern per anno.
Kaffee ist nicht nur beliebter als Bier, sondern auch gesünder. Hartnäckig hielt sich jahrzehntelang das Vorurteil, das Heißgetränk sei gesundheitsschädigend, da es den Blutdruck erhöhe und entwässere. Alles Quatsch, alles längst von der Wissenschaft widerlegt: Kaffee ist nicht schädlich!
Mithin ist sogar das Gegenteil der Fall, wie immer mehr Studien zeigen. Jüngst haben Wissenschaftler des National Cancer Institute und des National Institute of Health Gesundheitsbögen von mehr als 500 000 Menschen ausgewertet. Mit einem überraschenden Ergebnis: Personen mit einem täglichen Konsum von sechs bis sieben Tassen Kaffee reduzieren ihr Risiko, früher zu sterben, um 16 Prozent. Zwei bis fünf Tassen verringern das Risiko um 12 Prozent. Bemerkenswert an den Studienergebnissen ist auch, dass die positiven Gesundheitseffekte unabhängig vom Koffeingehalt eintreten.

Koffein: Kick und Kater

Schon Wolfgang von Goethe interessierte sich Anfang des 19. Jahrhunderts für den Wachmacher im Kaffee. So beauftragte er den jungen Medizin- und Chemiestudenten Friedlieb Ferdinand Runge damit, herauszufinden, welcher Wirkstoff in der braunen Bohne die belebende Wirkung entfacht. Ein paar Jahre später, 1819, gelang es Runge, den Wirkstoff zu isolieren: Das Koffein war entdeckt.
Was die Wissenschaft erst später nachlieferte: In Reinform erzielt Koffein, das chemisch gesehen zu den Alkaloiden zählt, eine ähnliche biomechanische Wirkung wie Drogen und Amphetamine. Es stimuliert bei Einnahme das zentrale Nervensystem, den Herzschlag und die Kontraktionskraft des Herzens. Man fühlt sich schon nach fünfzehn Minuten wacher, frischer, konzentrierter, leistungsfähiger. Zeitweise landete Koffein aufgrund dieser Effekte auf der Dopingliste, wurde aber 2014 wieder entfernt.
Die Kehrseite des Koffein-Kicks droht bei Absetzung, sofern man an hohe Mengen gewöhnt ist. Die Folge ist ein bis zu zwei Tage andauernder Kaffee-Kater mit Kopfschmerzen, Übelkeit, Unwohlsein. Dennoch, seien Sie unbesorgt: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stuft 200 Milligramm als Einzeldosis und 400 Milligramm pro Tag als bedenkenlos ein. Zum Vergleich: Ein einfacher Espresso liefert 40 Milligramm Koffein, eine Tasse Filterkaffee liegt bei etwa der doppelten Menge.

Für den gewohnten Filterkaffee-Geschmack: Der aus Edelstahldraht gefertigte Permanentfilter Soto Helix lässt sich platzsparend zusammenfalten.

Beliebt und belebend

Kaffee ist nicht gleich Kaffee – für diese Erkenntnis genügt ein Blick auf Getränketafeln in Cafés. Pur getrunken, haben sich vor allem Espresso, Filterkaffee und Americano etabliert. Mit Milch wird Kaffee häufig zu Cappuccino, Milchkaffee oder einem Flat White veredelt. Dabei gleicht kein Erzeugnis dem anderen.
Am Brühvorgang scheiden sich die Geister; über Bohnenherkunft und -melange, Röstung und Mahlgrad wird kochend heiß diskutiert. Man muss sich nur klarmachen, dass ein Espresso 800 verschiedene Aromen besitzt – doppelt so viele wie Wein. Nicht zuletzt werden sogar Barista-Meisterschaften ausgetragen. In Deutschland trägt den Titel derzeit die Berlinerin Aylin Ölcer.
Ihren Ursprung hat die Kaffeepflanze in Äthiopien. Zur Zeit des Osmanischen Reiches gelangte der Kaffee von dort nach Istanbul, wo die ersten Kaffeehäuser im 16. Jahrhundert entstanden. Im 17. Jahrhundert kam Kaffee nach Europa und verbreitete sich dort von Venedig, Wien, London und Berlin aus rasant über den gesamten Kontinent. Heute ist die braune Bohne ein Milliardenmarkt. Das weltweite Volumen von Rohkaffee liegt bei knapp 400 Milliarden Euro. Der weltweit größte Kaffee-Exporteur ist mit 34 Prozent Marktanteil Brasilien, gefolgt von Vietnam und Indonesien.
Allen Zubereitungsfinessen zum Trotz: Die Methoden, mit denen Kaffee zubereitet wird, fußen stets auf diesen vier Vorgängen: filtern, pressen, kochen, pumpen. Viele Zubereitungsarten erfordern daher bestimmte Mahlstärken, andere benötigen Filtertüten oder Maschinen mit Pumpdruck.

10 Kaffeezubereitungssysteme im Test – Überblick

Modell

Zubereitungsmethode

Preis

Kaufen

Aeropress Go

Pressen und filtern

39,90 Euro

Amazon

Bialetti Moka

Dampfdruck

32,90 Euro

Amazon

Blaek Instant

Instant

5,95 Euro

Amazon

Espro Travel Press

Pressen

39,95 Euro

Amazon

Handpresso Pump

Pumpdruck

99,99 Euro

Amazon

Primus Lite+

Rühren/ Instant /Pressen

129,95 Euro

Amazon

Sea To Summit X-Brew

Filtern

17,95 Euro

Amazon

Soto Helix

Filtern

14,90 Euro

Amazon

Staresso

Pumpdruck

59,90 Euro

Amazon

Wacaco Nanopresso

Pumpdruck

54,90 Euro

Amazon

So brühen Biker

Da Radreisende und Bikepacker unterwegs keine Siebträger, Filter- oder Padmaschine mitnehmen können, sind sie auf mobile, handliche und praktische Zubereitungssysteme angewiesen, um in den spontanen Genuss eines duftenden Kaffees zu gelangen. Der Markt bietet hierfür eine erfreulich große Auswahl – vom klassischen Bialetti-Espressokocher bis zum Handpresso-Gerät, in dem nach dem Luftpumpenprinzip bis zu 16 Bar Druck erzeugt werden, um so einen Espresso zu erhalten.
Voraussetzung für alle Systeme ist heißes Wasser – Kaffee ist eben ein Heißgetränk. Wer keinen separaten Gaskocher mitführen will, kann auf All-in-one-Geräte von Primus und anderen Herstellern zurückgreifen. Elementar für ein gutes Geschmackserlebnis sind frische Bohnen, die bestenfalls frisch gemahlen werden. Denn bereits nach wenigen Stunden verliert das Kaffeemehl die Hälfte seiner Aromen. Während hochwertige Arabica-Bohnen besonders magenschonend sind, bringen Robusta-Sorten von Natur aus mehr Koffein und Kraft mit.
Erwarten Sie von den Systemen, die wir Ihnen vorstellen – sofern Sie Ihren Gaumen an einen perfekt extrahierten Espresso oder zeitgenössischen Filterkaffee gewöhnt haben – keine Geschmackswunder. Aber auch das gehört zum Bohnenkult: Kaffee ist nie nur aromatischer Selbstzweck. Kaffee ist ein Lebensgefühl, das Tor zu Müßiggang und Entschleunigung.
Auf einer Radtour wird daher (fast) jeder Kaffee so schmecken, als wäre er von Aylin Ölcer höchstpersönlich zubereitet. Suchen Sie sich einfach ein nettes Plätzchen und genießen Sie Ihren frisch gebrühten Kaffee in Ruhe oder netter Gesellschaft. In diesem Sinne: ab aufs Rad – und hoch die Tassen!

10 Kaffeezubereitungssysteme für Radreisen und Camper im Test

Kaffeezubereitungssystem im Test: Aeropress Go

Aeropress Go: Innovatives Brühsystem

Fazit: Die Aeropress lässt sich leicht bedienen und gut mit dem Rad transportieren. Der Plastikbecher schmälert das angenehm aromatische Trinkerlebnis.
Preis: 39,90 Euro

Kaffeezubereitungssystem im Test: Bialetti Moka

Bialetti Moka: Zuverlässiger Klassiker

Fazit: Die Bialetti-Kanne ist der Klassiker unter den Kaffeezubereitern, stillvoll und leicht zu handhaben. Der Mokka ist so kantig wie die Kanne selbst.
Preis: 32,90 Euro

Kaffeezubereitungssystem im Test: Blaek Instant

Blaek Instant: Besser als der Ruf

Fazit: Der Instantkaffee von Blaek räumt mit Vorurteilen auf. Der Kaffee ist bekömmlich und geschmacklich konkurrenzfähig.
Preis: ab 5,95 Euro

Kaffeezubereitungssystem im Test: Espro Travel Press

Espro Travel Press: Kaffee im Radflaschenformat

Fazit: Diese radflaschenähnliche Reise-Frenchpress aus Edelstahl liefert einen tadellosen Kaffee. Nur etwas fummelig zu reinigen – sonst top!
Preis: 39,95 Euro

Kaffeezubereitungssystem im Test: Handpresso Pump

Handpresso Pump: Espresso durch Handarbeit

Fazit: Die Handpresso ist perfekt verarbeitet und lässt sich sehr leicht bedienen. Für den hohen Preis hätte man aber ein besseres Ergebnis erwarten können.
Preis: 99,99 Euro

Kaffeezubereitungssystem im Test: Primus Lite+

Primus Lite+: Perfekt für Bikepacker

Fazit: Die mit Abstand beste Lösung für Bikepacker, die flexibel und mit einem geringen Packmaß reisen wollen.
Preis: 129,95 Euro

Kaffeezubereitungssystem im Test: Sea To Summit X-Brew

Sea To Summit X-Brew: Puristischer Platzsparer

Fazit: Der puristische Permanentfilter X-Brew liefert einen soliden Filterkaffee in einem sehr kompakten Reise-Packmaß.Allerdings werden nicht alle Kaffeepartikel herausgefiltert.
Preis: 129,95 Euro

Kaffeezubereitungssystem im Test: Soto Helix

Soto Helix: Tasse und Filter

Fazit: Mit dem Filtersystem von Soto können Sie im Handumdrehen einen guten Filterkaffee machen. Voraussetzung sind spezielle Papierfilter des Herstellers.
Preis: 14,90 Euro

Kaffeezubereitungssystem im Test: Staresso

Staresso: Überzeugender Pumpdruck-Espresso

Fazit: Die Staresso liefert einen geschmacklich ordentlichen Espresso ab. In sich stimmiger Zubereiter mit Suchtfaktor. Wäre da nur nicht die umständliche Reinigung.
Preis: 59,90 Euro

Kaffeezubereitungssystem im Test: Wacaco Nanopresso

Wacaco Nanopresso: Espresso-Zubereiter mit Schutzhülle

Fazit: Der mitgelieferte Plastikbecher trübt das Trinkerlebnis, obwohl der extrahierte Espresso durchaus gut ist und auf Padniveau liegt.
Preis: 54,90 Euro
Daniel Eilers

von Daniel Eilers

Daniel Eilers ist Redakteur bei BIKE BILD. Räder sind für ihn zweierlei: das perfekte Sportgerät und klügste Fortbewegungsmittel unserer Zeit.