BIKE-BILD-Redakteur Mathias Müller

Mein Bike-Equipment des Jahres 2020

Viele Produkte gehen jedes Jahr – privat wie beruflich – durch die Hände unserer Redakteurin und unserer Redakteure. Komponenten, Bekleidung, Technik – was unserem Dauertest standgehalten und uns besonders begeistert hat, stellen wir hier vor. Das sind die Lieblingsprodukte 2020 unseres Redakteurs Mathias Müller.

Datum:

Redakteur Mathias Müller und das Salsa Fargo (vor dem Start zur Grenzsteintrophy 2020)

Die Fahrrad-Ausrüstungs-Welt hält mehr, viel mehr bereit, als man in einem Radler-Leben ausprobieren kann. Und immer wenn man denkt, dass man jetzt das optimale Teil für einen bestimmten Einsatzzweck gefunden hat, stellt man im nächsten Moment fest, dass es doch noch Alternativen gibt. Und so können die hier zusammengetragenen Teile nur einen kleinen für sehr gut befundenen Teil der Dinge zeigen, die wir – und an dieser Stelle ich – in Tests und Dauertests begutachtet haben. Los geht's:

Komplett-Bikes

Ein großes Glück, welches unser Beruf mit sich bringt, ist die Möglichkeit, über die Dauer eines Jahres viele, viele Fahrrädern und Pedelecs fahren zu können. Im Folgenden möchte ich nun drei Bikes vorstellen, die mich als Gravel- und Bikepacking-Fan im Jahr 2020 besonders beeindruckt haben.

Unkaputtbarer und treuer Begleiter auf schweren Strecken – das Salsa Fargo.

Das Salsa Fargo ist im Sommer völlig überraschend zu mir gestoßen. Kurzentschlossen hatte ich mich zur rund 1.300 Kilometer langen Grenzsteintrophy angemeldet, einem Bikepacking-Abenteuer entlang der früheren innerdeutschen Grenze (hier der Erlebnis-Film). Für die dort auf 600 Kilometer Länge verlegten Loch-Panzerplatten hatte ich im eigenen Keller kein taugliches Bike. Und so sollte mir das Fargo mit 29+ Bereifung als zweiwöchige Leihgabe bei meinem Abenteuer helfen. Was in meinen Augen zuerst viel zu schwer und klobig aussah, entpuppte sich schon nach 500 Metern der zu bewältigen 1.300 Kilometer als Glücksgriff.
Die 78 Millimeter breiten, tubeless aufgezogenen Reifen trugen mich sicher über Millionen von Löchern entlang der früheren Grenze. Gleichzeitig vermittelte mir die Geometrie und Robustheit des Fargo im Zusammenspiel mit dem Salsa-Woodchipper-Lenker ein extrem sicheres Gefühl sowohl auf den steilen und rasanten Abfahrten über die schmale Platte wie auch auf engen Wald-Trails. Wer ein treues, unverwüstliches und gut zu steuerndes Abenteuer- oder auch Alltags- und Reise-Rad sucht, der sollte sich das Fargo unbedingt mal anschauen.
Und hier eine Reportage zum Abenteuer Grenzsteintrophy:
Das Vpace T2ST – Titan Speedtraveller der zweiten Generation – begleitet mich nun schon gut zwei Jahre. Finanziert mittels eines Dienstrad-Vertrags ist dieses Fahrrad eine sportliche eierlegende Wollmilchsau. Ausgestattet mit Nabendynamo und fester Lichtanlage fahre ich mit dem T2ST jeden Tag zur Arbeit und am Wochenende durch den Wald, lässt es doch Gravelreifen bis gut 40 Millimeter zu. Referenzen neben der Job-Pendelei: Mit Straßenreifen von Hamburg zur Eurobike in Friedrichshafen (1.000 Kilometer Straße) und mit Gravelreifen beim Hanse-Gravel von Hamburg nach Stettin in Polen (640 Kilometer off-road). Noch Fragen?
Ein weiteres Traumrad befindet sich als Dauertester in unserem Redaktionskeller: das Salsa Cutthroat. Hier verbindet sich ein extrem leichter Carbon-Rahmen mit ebenso leichten 29-Zoll Carbon-Laufrädern (Crankbrothers Synthesis XCT-11) und einer Sram eTap AXS Schaltung zu einem Abenteuer-Rennrad der Extraklasse. Montiert sind auf den Felgen derzeit 57 Millimeter breite Vittoria Mezcal Reifen, tubeless, versteht sich fast von selbst. Schneller und komfortabler kommt man mit einem Fahrrad nur schwerlich durchs Gelände.

Zelt

Das Big Agnes Copper Spur UL1 lässt sich frei stehend auch auf hartem Grund aufbauen (hier in der Schutzhütte Wolkenhäuschen auf dem Brocken).

Lange habe ich nach einem Zelt gesucht, welches sehr leicht, sehr klein zu packen und dennoch geräumig ist. Fündig geworden bin ich beim Big Agnes Copper Spur UL1 Bikepacking. Mit diesem Zelt war ich nicht nur für den einen oder anderen Overnighter unterwegs (da allerdings in der Zwei-Personen-Version), sondern auch während der Grenzsteintrophy. Vorteil des Copper Spur gegenüber einigen anderen sehr klein zu packenden und leichten Zelten: Es kann als freistehendes Zelt auch auf hartem Untergrund aufgestellt werden. Bei mir war das zum Beispiel auf dem Brocken der Fall, als ich es bei extremen Winden in der Steinhütte vor dem Brockenhaus aufstellte. Im Inneren des Zelts sind überdies mehrere große und kleine Mesh-Fächer eingenäht, in denen man sehr bequem Dinge verstauen kann.

Schlafsack

Der Yeti Passion Five (gibt's auch als "One" und "Three" – nicht so warm aber noch leichter und kleiner) hat eine Komfortzone von -2 Grad Celsius und wiegt nur gute 700 Gramm.

Nachdem ich bei meiner letzten Tour im Sauerland in meinem Cumulus Lite Line 400 Schlafsack bei ca. 2 Grad Celsius Außentemperatur relativ unkomfortabel geschlafen habe, bin ich den Empfehlungen befreundeter Bikepacker gefolgt und habe den Yeti Passion 5 (Größe L) getestet. Die Unterschiede sind immens. Zuerst einmal durch den Schnitt des Passion. Er ist deutlich länger und seine Kapuze kann tatsächlich als solche bezeichnet werden. Wer hier ganz eintaucht, der ist geschützt und muckelig warm – am Körper, am Hals, am Kopf, überall. Die Komfortzone liegt bei -2 Grad, 4 Grad tiefer als beim Cumulus. Gefühlt ist der Unterschied aber noch größer – bei gleichem Gewicht von 700 Gramm. Einen Haken hat die Sache natürlich: Der Passion 5 ist mehr als doppelt so teuer wie der Cumulus. Frieren ist indes keine gute Option, wenn das Bike-Abenteuer ansonsten wunderschön ist.

Baselayer

Lange habe ich nach warmen, abenteuertauglichen Radunterhemden gesucht. Fündig bin ich bei Futurum geworden. Kennt Ihr noch nicht? Dann ran und ausprobieren. Ich bin mit den 4 Seasons Merino Baselayer sehr glücklich. Das Kurzarm-Shirt kommt mit V-, das Langarm-Shirt mit rundem Ausschnitt. Mit dem Langarm-Shirt komme ich durch den ganzen Winter. Meist reicht darüber dann eine Primaloft-Jacke (bis 2 oder 4 Grad Celsius). Ein frisches/trockenes Shirt leistet überdies hervorragende Dienste im Lager. Die Kurzarm-Variante trage ich auch im Sommer. Wem das zu warm ist, der kann sich auch die anderen Baselayer von Futurum anschauen. Darüber indes kann ich hier nicht berichten.

Gute Geheigenschaften, tolle Kraftübertragung – der Giro Terraduro überzeugt bei großen Abenteuern.

Schuhe

Ehrlich gesagt, was man vielen Frauen in Sachen High-Heels und ähnlichem nachsagt, dass könnte man mir in Sachen Radschuhen nachsagen. Winterschuhe. Unauffällige Alltagsschuhe. Gravelschuhe. Noch mehr Gravelschuhe. Tatsächlich fahre ich schon seit gut zwei Jahrzehnten viele Shimano-Modelle. Und dennoch möchte ich hier einen anderen Schuh erwähnen, den Giro Terraduro. Er hat mich nicht nur bei tausenden Alltagskilometern begleitet, auch bei zwei großen Abenteuern hatte ich mit ihm eine tolle Pedalverbindung und zudem gute Geheigenschaften. Gerade bei der Grenzsteintrophy, wo ich das Salsa Fargo schwer bepackt oftmals 30 Prozent steile und nasse Lochplattenwege hinauf wuchten musste, waren die Terraduro mit ihrer Vibram-Sohle eine gute Entscheidung. Niemals hätte ich diese Wege mit zu sehr Race-orientierten Schuhen schieben wollen. Der Ratschenverschluss bietet in Kombination mit den beiden Klettverschlüssen auf dem Vorderfuß sehr gut justierbaren Halt. Auch preislich ist der Terraduro top. Zwar liegt der UVP irgendwo bei 170 Euro, in Netz findet man ihn aber leicht kurz über 100 Euro – ich habe meine sogar für unter 100 Euro erstanden. Ein Tip-Top-Abenteuer-Schuh.

Bikepacking-Taschen

Die Fork Bag von Ortlieb ist eine tolle Möglichkeit Dinge jeder Art an der Gabel zu stauen.

Wenn man ins Bikepacking einsteigt, wird man zuerst von der Angebotsvielfalt erschlagen. Und immer wenn man sich ein Ausrüstungsteil gekauft hat, entdeckt man kurz darauf, eine oftmals bessere Alternative. Auf meinen bisherigen Abenteuern waren bei mir oftmals die Ortlieb-Taschen gesetzt (wobei ich auch die Revelate Satteltasche sehr gerne fahre), besitzt sie doch die Möglichkeit, den Packbeutel mit einem Griff aus der Halterung zu entfernen. Sehr gut! Aber hier möchte ich über zwei andere Taschen sprechen. Zum einen die noch relativ neue Ortlieb Fork-Pack-Tasche. Sie besitzt, was die Satteltaschen-Geschwister nicht haben, eine Halterung, aus der man die eigentliche – natürlich wasserdichte – Tasche ruckzuck entfernen kann. Klasse! Mit vier Liter Stauraum können Radler überdies frei entscheiden, ob sie hier Nahrung, Regenbekleidung, Gaskocher oder Getränkeflaschen stauen – oder verschiedene der genannten Dinge in Kombination. Spitze. Hier der BIKE-BILD-Test.
Außerdem möchte ich hier noch eine Tasche erwähnen, die man fast an jedem Bikepacking-Fahrrad findet, das Mountain Feedbag von Revelate. Wie schon so oft hat sie mir auch während er Grenzsteintrophy tolle Dienste geleistet. Mit seinem intelligenten, einhändig zu bedienenden Schnürverschluss ist das Feedbag ein Klassiker unter den Bikepacking-Taschen, der eigentlich nicht fehlen darf, sei es für die schnell erreichbare Getränkeflasche oder Riegel und andere Ernährungsmittel. Kennt Ihr nicht? Dann aber mal los – ist sicher ein tolles Weihnachtsgeschenk.

Gravellenker

Ich stehe auf Gravelbikes. Sie geben mir die Möglichkeit, mich in meiner Freizeit sportlich, aber abseits des stressigen Autoverkehrs zu bewegen. Es ist zwar ein wenig traurig, aber wenn wir ehrlich sind, dann kommen Gravelbikes uns etwas älteren Herren auf mehreren Wegen entgegen. Die meisten von ihnen sind nicht so radikal geschnitten wir Rennräder – die Überhöhung von Sattel zu Lenker fällt gemäßigt aus. Breite Reifen bieten Komfort – vor allem im Wald. Tubeless montiert wird die Sache noch einmal angenehmer. Und – ein springender Punkt – spezielle Gravellenker sind enger gebogen, haben also weniger Drop vom Ober- zum Unterlenker, bei gleichzeitigem Flare, was bedeutet, dass das untere Ende des Lenkers ein wenig nach außen gebogen ist. Beides zusammen, geringer Drop und Flare, ermöglicht es dem Fahrer, den Unterlenker schnell und bequem zu erreichen, ohne sich dabei besonders tief nach vorn-unten beugen zu müssen.

Gravellenker Ritchey Beacon mit enger Biegung (geringem Drop) und viel Flare.

Im Ernst, zwei Jahrzehnte lang, in denen ich Rennrad gefahren bin und an Triathlon-Wettbewerben teilgenommen habe, hätte man meinen Lenker unterhalb der Bremsgriffe abschneiden können. Ich bin schlicht nie im Unterlenker unterwegs gewesen, immer lag meine Hand oben auf den Bremsgriffen oder auf den Aero-Lenkern. Erst mit den neuen Flare-Lenkern ist das Fahren im Unterlenker für mich zur Freude geworden.
Mittlerweile gibt es viele Lenker, die diese Merkmale aufweisen. Während der sehr anspruchsvollen Grenzsteintrophy war ich zum Beispiel mit dem extremen Salsa Woodchipper sehr zufrieden. Hier aber möchte ich auf zwei Ritchey-Produkte eingehen, den Venturemax und den Beacon (beide in 46 Zentimeter Breite). Den Venturemax fahre ich auf meinem Vpace T2ST, er ist das sportlichere Modell, wenn man in Richtung Rennradfahren und Speed denkt. Sein Unterlenker ist zudem ergonomisch geformt, sodass er sich in die Griffhand schmiegt. Der Beacon ist hingegen noch mehr in Richtung Abenteuer konzipiert. Er ist auf dem Salsa Cutthroat montiert. Mit durchgängig dickem Rohr gebogen fallen bei ihm Drop (geringer) und Flare (größer) extremer aus als beim Venturemax.
Beide Lenker kann ich nur wärmstens empfehlen, auch wenn derlei Formen Geschmacksache sind. Und auch wenn wir in der Redaktion mitunter darüber streiten, für mich ist ein Gravelbike nur ein Gravelbike, wenn auch ein Gravellenker verbaut ist.

Rücklichter

Bringt als Haupt- aber vor allem als Zusatzlicht ein Mehr an Sicherheit – die Knog-Plus-LED-Leuchte.

Ich fahre tatsächlich sehr viel Fahrrad. Zur Arbeit. In der Freizeit. Auf der Straße. Im Gelände. Allein. Mit Kindern. Gerade im Stadtgebiet muss dabei die Sichtbarkeit gegeben sein. Und da sind mir in diesem Jahr zwei Rücklichter von der australischen Firma Knog besonders aufgefallen. Zum einen die Knog Cobber, erhältlich in verschiedenen Größen. Halbrund gebaut schmiegt sie sich an die Sattelstütze an und strahlt mit 330 Grad auch zu den Seiten ab. Auch sind die 55 Lumen Lichtstärke ein echtes Pfund. Wann immer ich dieses Licht (Größe Mid) montiert habe, fühle ich mich deutlich sicherer als mit herkömmlichem Rücklicht.
Darüber hinaus hat der australische Hersteller die sehr kleine Knog-Plus-LED-Lampe an den Start gebracht. Der Clou bei dem Winzling: Man kann ihn nicht nur herkömmlich an der Sattelstütze oder dem Fahrradrahmen anbringen, sondern auch mit einem Clip oder seiner flexiblen Halterung an Bekleidung oder Helm. Mit ihnen zusätzlich ausgerüstet ist man quasi nicht mehr zu übersehen – und das in beiden einstellbaren Leuchtstärken.

Licht

Spitzenklasse bei Dynamo-LIchtern für Abenteurer und Gravel-Fans – das K-Lite Bikepacker Ultra V2.

Bikepacker radeln oft auch nachts durch Wälder und benötigen darum meist Dynamolichter. Der Australier Kerry Staite hat sich darüber viele Gedanken gemacht und mit der K-Lite Bikepacker Ultra V2 ein 1.300 Lumen starkes Frontlicht produziert. Mit ihr kann man selbst in dunkler Nacht auch kleinste Pfade im. Dickicht finden. Die Lampe hat zwei breit abstrahlende Lichter und einen Spot-Scheinwerfer für die Ferne und schnelle Fahrt (beim Straßenmodell gibt es – andersherum – zwei Spot-Scheinwerfer und ein breit strahlendes Licht). Die Ultra V2 ist extrem stabil gebaut und natürlich auch wasserdicht. Leicht zu kombinieren ist die Ultra V2 mit einem K-Lite-USB-Charger, mit zwei USB-Ausgängen. Zusammen bekommt man ein System, welches unter den Teilnehmern von Ultra-Rennen und Bikepackern extrem beliebt ist. Kein Wunder also, dass die Teile zum Zeitpunkt, in denen ich diese Zeilen schreibe, ausverkauft sind. Warten lohnt sich!

Pumpe

Klein aber so wertvoll. Auf fast allen meinen Fahrten begleitet mich die Topeak Racrocket MT. Das kleine Ding mit dem goldenen Teilschaft lässt sich überall unterbringen und arbeitete locker und zuverlässig bis über 5 bar hinaus – einen Wert, den ich für Gravelbereifung bei Weitem nicht benötige. Für die dicken Pneus ist mit sogar noch empfehlenswerter der große Bruder Topeak Mountain TT Twin Turbo, der mehr Volumen und ähnlich hohen Druck schafft. Allein – und mehr Volumen sagt es auch schon – die Mountain TT Twin ist fast doppelt so dick wie die Racerocket. Unterm Strich bleibt: Zwei super starke Pumpen für alle Fälle!

Viel Volumen und große Kraft. Mit der Topeak Mountain TT ist man immer auf der sicheren Seite.