Mit Anleitung zur Montage

Milkit Tubeless-Kit im Test

Tubeless-Reifen setzen sich immer mehr durch. Im MTB- und Gravelsegment schon zum Standard gehörend, kommen auch immer mehr Rennradfahrer in den Genuss. Bedenken bestehen hinsichtlich der Montage – Abhilfe verspricht das Schweizer Unternehmen Milkit. Wir haben das innovative Tubeless-Kit getestet.

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Unser Test-Set-up: Laufräder von DT Swiss, Gravelreifen von Goodyear und das Tubeless-Set von Milkit.

Tubeless-Reifen bieten eine Reihe von Vorteilen. Die schlauchlosen Reifen lassen sich mit weniger Luftdruck fahren und punkten mit viel Sicherheit im Gelände. Da der Schlauch entfällt, sinkt auch das Systemgewicht aus Reifen und Laufrad. Und für Rennradsportler interessant: Tubeless-Reifen haben einen geringeren Rollwiderstand als Tubular- und Reifen mit Schlauch. Durch die Verwendung von Dichtmilch zwingen kleine Schnitte nicht gleich zum Schlauchwechsel – die Dichtmilch schließt oft einfach automatisch ab. Viele Vorteile auf der einen Seite, ein großer Nachteil auf der anderen Seite: Viele scheuen die Montage und Wartung (Austauschen der Dichtmilch). An dieser Stelle kommt das Schweizer Unternehmen Milkit ins Spiel, das mit dem innovativen System eine leichte Montage und Wartung verspricht.

Unser Test-Set-up im Überblick

  • Milkit Booster, Ventilsystem, Dichtmilch
  • DT Swiss Laufräder HEC 1400 Spline / C1800 Spline
  • Gravelreifen Goodyear County All-Terrain Ultimate, 35 Millimeter

Galerie: Tubeless-Montage mit Milkit

Disclaimer: Wer nicht nur einmal Tubeless-Reifen montiert hat, weiß, dass die Einfachheit der Montage von vielen Faktoren abhängt, vor allem aber vom Reifen und Laufrad. Leider gibt es immer noch keinen einheitlichen Tubeless-Standard bei den Laufrädern, aber anders als noch vor ein paar Jahren, wird die Montage insgesamt einfacher, da sich der Schlauchlos-Trend immer weiter durchsetzt. Reifenhersteller Schwalbe gibt etwa hier eine Übersicht zur Montage an verschiedenen Laufrädern. Für unseren Test haben wir auf DT-Swiss-Laufräder zurückgegriffen und Goodyear-Reifen ausprobiert. Deswegen sei an dieser Stelle erwähnt, dass unsere Montage nur als Beispiel gelten kann, etwaige andere Reifen-Laufrad-Kombinationen können die Montage unter Umständen erschweren. Wir hatten indes keinerlei Probleme mit Goodyear und DT Swiss, die Kombi funktionierte reibungslos.

Der aufgepumpte Booster von Milkit wird aufs Ventil gedrückt. Die Luft entlädt sich stoßartig und strömt in den Reifen, der sich ins Felgenbett legt.

Das Tubeless-Kit von Milkit im Check

Kommen wir zum Testobjekt, dem Tubeless-Kit von Milkit. Das Set soll gleich zwei Probleme lösen, die Montage und die Wartung. Beginnen wir bei der Montage. Das Problem ist hierbei vielfach, dass mit einem Stoß nicht genug Luft in den Reifen gelangt, damit dieser in das Felgenbett ploppen kann. Hierfür gibt es spezielle Kompressoren, die Luft komprimiert speichern und schlagartig abgeben. Durch das schlagartige Befüllen des Reifens entweicht die Luft dann nicht zwischen Reifen und Felge, der Reifen füllt sich, springt auf die Felge und dichtet im besten Fall direkt ab.
Beim Milkit Tubeless Booster wird dieser Behälter ganz simpel mit bis zu 11 bar mit einer Standardluftpumpe befüllt und anschließend auf das Ventil gedrückt. Die komprimierte Luft wird schlagartig in den Reifen gestoßen und drückt somit den Reifen fest ins Felgenhorn. Im Test funktionierte dieser Prozess ohne Probleme. Wir empfehlen, den Milkit-Booster maximal mit Luft zu befüllen, da beim Ablassen auch gern mal etwas Luft entweicht. Der Tubeless Booster ist mit seinen 150 Gramm wesentlich leichter als ein Kompressor und kann bequem zuhause als auch auf Tour genutzt werden. Vorteilhaft: Der Tubeless Booster ist auch als Trinkflasche einsetzbar – Kompressor to go quasi.

Aller Anfang ist schwer. Bei unserer Erstmontage sauten wir etwas rum, Grund: Wir hatten nicht genug Luft abgelassen. Wer weniger nach Gefühl, mehr nach Anleitung arbeitet, dürfte keine Milch verschwenden.

Ist die Montage erstmal geschafft, muss noch die Dichtmilch in den Reifen gefüllt werden, die beizeiten, besser einmal im Quartal, allerspätestens einmal im halben Jahr ausgetauscht werden muss. Viele Radler empfinden das Befüllen und die anschließende Wartung als lästig und kompliziert. Das Einfüllen von Dichtmilch mit schmalen Fläschchen war auch bisher ohne die Demontage des Reifens möglich. Allerdings ist es notwendig, die Luft vorher aus dem Reifen zu lassen. Im Falle einer Wartung wird dann die alte Milch mittels eines Tuchs entfernt und durch die frische ausgetauscht.
Die Spritze von Milkit verfügt über einen Verbindungsschlauch mit Absperrhahn und ermöglicht es, die Dichtmilch direkt in den Reifen zu lassen, ohne dabei die gesamte Luft ablassen zu müssen und den Reifen abzunehmen. Normalerweise muss – wie erwähnt – der Reifen von der Felge gelöst werden, der Rest Dichtmilch entfernt bzw. abgewischt werden, anschließend wieder auf die Felge gezogen werden, erst jetzt kann die neue Milch eingefüllt werden. Für diesen umständlichen Arbeitsweg bietet Milkit eine innovative Lösung an. Mit der Spritze von Milkit lässt sich jederzeit der Milchstand messen sowie die Qualität der verbleibenden Milch überprüfen, ohne den Reifen abzuziehen. Das Innovative daran sind die Milkit-Ventile, die wie eine Art Rückschlagventil fungieren. Man kann also nicht nur Dichtmilch einfüllen und austauschen, ohne den Reifen von der Felge zu ziehen, sondern sogar auch den Ventilkopf ausbauen, ohne dass die Luft aus dem Reifen entweicht.

Preise

  • Milkit Tubeless Conversion Kit, 64,95 Euro: 250 ml Dichtmilch, Spritzensystem, 2 Tubeless-Ventile, 10 m Felgenband, Nadel zum Befüllen der Spritze, Ventilherz-Tool
  • Milkit Tubeless Booster, 49,95 Euro

Vorteile, die für Milkit sprechen:

  • Keine verstopften Ventile mehr
  • (Theoretisch) saubere Montage
  • Leichtes Nachmessen, Befüllen und Austauschen der Dichtmilch
  • Booster kann als Trinkflasche verwendet werden

Fazit

Das Tubeless-System des Schweizer Unternehmens Milkit bietet kluge Lösungen für geläufige Probleme bei der Montage. Die Frage, die sich uns nach dem Ausprobieren stellte: Benötigen wir das nicht gerade günstige System für die Montage? Denn wir hätten diese im konkreten Fall auch ohne Booster oder Kompressor mit einer einfachen Pumpte erledigt – so leicht legte sich der Goodyear-Reifen auf die DT-Swiss-Felge. Zugegeben, ein wahrer Glücksfall, unsere geübten Redakteure sind auch schon an der Tubeless-Montage anderer Reifen-Laufrad-Kombinationen verzweifelt und hätten sich in diesen Fällen den handlichen Booster gewünscht. Und bei der Erstbefüllung ist es ohnehin gleich, ob man die Dichtmilch einspritzt oder anderweitig einfüllt. Interessant wird es so richtig bei der Wartung, da kann das System aus Milkit-Spritze und den speziellen, sogenannten Herz-Ventilen viel Arbeit und Sauerei ersparen. Unsere Empfehlung: Wer regelmäßig Tubeless-Reifen montiert, profitiert bei Milkit mit einer etwas leichteren Montage und einem dicken, dicken Wartungsplus durch das innovative Ventilsystem. Das System ist ausgereift, funktionierte im Test, so wie es sollte. Der Preis hat Schweizer Niveau.

Galerie: Tubeless-Montage mit Milkit