Neuer Gravelreifen

Schwalbe G-One R im Test

Schwalbes Gravelreifen aus der G-One-Familie sind allseits beliebt. Der neue G-One R ist für Rennen über Gravelpisten konzipiert. Wir haben den neuen Reifen auf Schotter und Asphalt getestet.

Datum:

Der neue in der Familie: Schwalbe G-One R

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Schwalbes G-One R ist der erste echte Race-Reifen für Gravelbiker. Das Konzept geht voll auf: Festen Schotter und Asphalt meistert der geschmeidige Renner der G-One-Serie mit Bravour. Das berechenbare Kurvenverhalten auf diesen Untergründen ist hervorragend. Und auch die leichte und schnelle Montage setzt wieder Maßstäbe. Man muss aber wissen, der G-One R hat seine Grenzen: Wurzeliges und steiniges Terrain mag der Reifen überhaupt nicht.

Pro

  • Sehr einfache Montage
  • Gute Laufeigenschaften auf Asphalt
  • Spendet viel Vertrauen in Schotter-Kurven
  • Extrem niedriger Luftdruck möglich

Kontra

  • Kein Leichtgewicht
  • Eingeschränkte Größen (nur 40 und 45 mm)

Schwalbe G-One R

Mit der G-One-Reihe hat Schwalbe eine breite Palette von Gravelreifen für Pendler und Freizeitfahrer im Portfolio. Für jeden Fahrertyp und verschiedene Untergründe bietet das Unternehmen erfolgreich Reifen an: von 30 bis 45 Millimeter Breite, von leicht bestollt (Schwalbe G-One Speed) bis grobes Profil (G-One Ultrabite). Was bisher fehlte, war ein reinrassiger Gravel-Race-Reifen. In diese Lücke springt nun der neue G-One R.
Noch sind Gravelrennen wie das als Dirty Kanza bekannte Event Unbound Gravel, die weltweit größte Veranstaltung des Gravel-Radsports, in Deutschland kaum verbreitet, doch das könnte sich bald ändern, wenn die Corona-Pandemie überwunden ist und neue Events aus dem Boden sprießen. Schließlich zieht es immer mehr Radfahrerinnen und Radfahrer in die Natur – es wäre nur logisch, wenn sich aus dem Trend auch eine Nachfrage nach Ein-Tages-Events oder mehrstündigen Rennen ergeben würde.
Für eben solche Events und Rennen ist Schwalbes G-One R (R wie Race oder Rennen) konzipiert worden. Für schnelle Kilometer durch leichtes Gelände, auf festem Schotter und Asphalt. Novum: Für die Karkassenkonstruktion hat man sich hierfür beim Highend-Rennradreifen Pro One bedient und überträgt diese erstmals in den Gravelbereich. Beim G-One R liegen daher zwei Karkassenschichten übereinander, um dadurch für mehr Geschmeidigkeit zu sorgen. Schwalbe spricht in diesem Kontext gern vom "Souplesse"-Gefühl. Gemeint ist damit, dass der Reifen satt und komfortabel auf Straße oder anderen Untergründen liegt. Er soll im Vergleich zum herkömmlichen G-One Bite bessere Vibrationsdämpfung erzeugen.

Von innen nach außen bauen die Stollen höher auf – für mehr Traktion in Kurven.

Neues Profil des Schwalbe G-One R

Neu und interessant ist neben dem Karkassenaufbau des G-One R das sogenannte Boomerang-Profil, das laut Schwalbe für 60 Prozent Schotter und 40 Prozent Asphalt ausgelegt ist. Nach außen werden die sichelförmigen Stollen höher, wodurch in Schräglage mehr Traktion als bei anderen Profilen, etwa das Punkt-Profil der übrigen G-One-Modelle, generiert werden soll. Die Traktion in festen und leichtkörnigen Schotter-Kurven hat uns im Test beeindruckt. Mit dem G-One R konnten wir mit deutlich mehr Speed in die Kurve einlenken, als wir es von anderen Reifen aus der G-One-Serie gewohnt sind. Die Haftung geht indes verloren, wenn es zu grobkörnig, steinig oder zu wurzelig wird. Zudem setzt sich das neue Boomerang-Profil extrem schnell mit Schlamm zu. Man benötigt nicht viele Kilometer mit Schwalbes G-One R, um zu verstehen, dass der Reifen für leichte und schnelle und feste Schotterpisten ausgelegt ist und nicht gerade für Abenteuertouren im Wald.

Schlamm setzt sich relativ schnell fest am neuen G-One R von Schwalbe.

Laufeigenschaften auf Asphalt

Auf Asphalt lässt sich der G-One R fast so präzise steuern wie ein Straßenreifen und kommt diesem im Fahrverhalten recht nahe. Der Sound ist gewöhnungsbedürftig: Hohe Geschwindigkeit quittiert der Reifen nämlich mit einem leisen, aber hellen Surren. Der Übergang des Profils ist in Schräglage nicht zu spüren – die Untergrundhaftung dabei stets gegeben. Neben dem guten Abrollverhalten auf Asphalt hat uns auch gefallen, wie gut man sich mit dem Reifen durch Sand arbeiten kann. Das war dem Reifenprofil nach nicht zu erwarten. Das Beschleunigungsverhalten des rund 500 Gramm schweren Reifens, welches maßgeblich durch die rotierende Masse bestimmt wird, reißt wiederum keine Bäume aus. Der G-One R ist ein schneller Dauerläufer und kein Antrittswunder.

Tiefer Sand? Kein Problem für den Schwalbe G-One R.

Montage und Luftdruck

Schwalbe gibt den G-One R für einen maximalen Luftdruck von 5 bar frei. Interessant: Einen Minimaldruck gibt es laut Hersteller nicht. Wir waren bei rund 70 Kilogramm Körpergewicht mit 2,5 bar unterwegs und haben im Laufe der ersten Testfahrt deutlich Luft abgelassen. Wer die Herstellerangaben auf dem Reifen sucht, muss gute Augen haben, so versteckt ist der Schriftzug in die Außenwand des Reifens eingearbeitet. Die Montage erwies sich – wie man es von Schwalbe-Reifen kennt – als Selbstläufer.

Schwalbe G-One R: Modelle und Preis

Wie alle Gravel-Modelle ist der neue G-One R als fünftes Schwalbe-Gravel-Modell mit der Tubeless Easy-Technik ausgestattet. Schwalbe bietet den G-One R in 40 und 45 Millimeter breiten Ausführungen als 28-Zoll-Reifen an. Das Gewicht des Reifens liegt bei 480 Gramm (40 mm) bzw. 520 Gramm (45 mm) und liegt damit nur minimal unter dem G-One Bite. Der Preis für den Gravel-Race-Reifen liegt bei sportlichen 69,90 Euro.

Schwalbe G-One R