Reisetasche für den Rücken

Rucksack Ortlieb Atrack im Test

Ortliebs wasserdichter Transporthelfer Atrack ist kein gewöhnlicher Rucksack. Die Besonderheit: Dieses Modell lässt sich wie eine Reisetasche auf der Rückseite öffnen. Ist diese Innovation auch praktisch? Wir wollten es wissen und haben den Atrack (25 Liter) getestet.

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Ortliebs Atrack ist ein Rucksack für Tagestouren oder kleinere Radreisen – nichts für die tägliche Pendelei zur Arbeitsstelle.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Astreiner Outdoor-Rucksack: komplett wasserdicht, perfekt gearbeitet und mit viel Stauraum. Der innovative Rückenreißverschluss hat auch überzeugt und erwies sich als praktisch, weil man alle Utensilien auf einen Blick findet. Allerdings nichts für Häufig-Kramer. Auch nicht geeignet für Pendler, aber uneingeschränkt empfehlenswert für Tages- oder Mehrtagestouren.

Pro

  • Tragekomfort
  • Komplett wasserdicht
  • Vielseitigkeit (Stauraum)
  • Innovative und praktische Öffnung

Kontra

  • Preis
  • Nicht für Pendler geeignet
  • Eingeschränktheit während der Fahrt (Ausnahme Schlüsselfächer)

Ortlieb Atrack 25

Rucksäcke sind praktische Alltagsbegleiter, nicht nur für Pendler. Wer Radreisen mit dem Fahrrad unternimmt, kann mit einem entsprechenden Rucksack die wichtigsten Utensilien nah am Körper führen: Regenbekleidung, Stecklichter, Wechselkleidung, Verpflegung, Ladekabel, usw. Im Falle von Ortliebs Atrack sind alle Gegenstände komplett wasserdicht verpackt – damit entfällt schon mal der lästige Überzieher.
Das ist aber längst nicht alles! Der Atrack verfolgt ein interessantes Konzept, erkennbar an der Rückseite des Rucksacks. Dort ist ein Reißverschluss eingearbeitet, womit sich der Rucksack wie eine Reisetasche öffnen lässt. Laut Ortlieb ist dieses System gedacht für jeden, "der sich schon einmal darüber geärgert hat, dass sich das, was man gerade braucht, ganz unten im Rucksack befindet." Kramen und Suchen nervt einfach, das ist nichts Neues. Insofern könnte der Ortlieb-Rucksack einen Nerv treffen, eben den von Radfahrern, die vom Suchen genervt sind.

Innovativ und gelungen: Der Rückenreißverschluss beim Ortlieb Atrack.

Ortlieb Atrack: innovatives Reißverschlusssystem

Der Rückenreißverschluss ist schnell und mit ein wenig Kraftaufwand aufgezogen – schon offenbart sich der Inhalt in Gänze. Sehr praktisch! Der Zipper läuft über die gesamte, gut gepolsterte Rückenfläche, und schließt wasserdicht ab. Beim Tragen spürt man den Reißverschluss überhaupt nicht – die Integration ist insgesamt sehr gut gelungen. Auch beim Tragekomfort gibt es rein gar nichts zu meckern: Sowohl die verstellbaren Schulter- als auch Hüftgurte hielten den Rucksack (auch mit zehn Kilogramm Gewicht) fest am Mann, ohne dabei einzuschnüren. Die Auflagefläche der Schulterpolster ist auch nicht zu groß geraten, sodass genug Freifläche zur Belüftung bleibt und sich keine unangenehme Schweißentwicklung einstellt. Kleiner Kritikpunkt: Leider lassen sich die Bänder zum Festziehen nicht vernünftig verstauen.
Eignet sich das Reißverschlusssystem auch für Pendler? Wir finden: Eigentlich nicht wirklich, da man zum Öffnen stets eine – aufgrund der recht üppigen Ausmaße des Rucksacks große – Liegefläche benötigt oder ihn auf den Boden ablegen muss, was viele als nicht sehr hygienisch oder als einfach unpraktisch abstempeln werden. Außerdem fehlen für Pendler wichtige Features, etwa ein Laptop-Fach, der gepolsterte Boden oder große reflektierende Elemente für Sicherheit im Dunklen.
Mit Staumöglichkeiten hat Ortlieb indes nicht gekleckert. Neben dem großen Hauptfach finden sich rechts und links in diesem je zwei separate Reißverschlussfächer für Kleinigkeiten wie Multitool oder Energieriegel. Außerdem bieten zwei Netzaußentaschen Aufnahmemöglichkeiten für Trinkflaschen. Wer während der Fahrt (oder der Wanderung; hierfür eignet sich der Rucksack auch) auf sein Equipment zugreifen möchte, muss dieses in die Reißverschlussfächer am Hüftgurt verstauen.

Reißverschlussfächer am Hüftgurt für schnell greifbare Utensilien.

Kein Schnäppchen, aber hochwertig

Zugegeben, die Preise mögen im ersten Moment abschrecken. Zwischen 179,99 Euro (25 Liter Fassungsvermögen), 189,99 Euro (35 Liter) und 199,99 Euro (45 Liter) müssen Interessenten für den Rucksack auf den Tisch legen. Die allermeisten werden wohl bedingt durch den moderaten Aufpreis von 20 Euro beim 45-Liter-Modell landen. Wir haben das preisgünstigste Modell für 179,99 Euro getestet.
Wie so häufig beim Erwerb von Nutzgegenständen: Die eine Seite der Medaille ist der Preis, die andere die Güte des Produkts – insbesondere bei letzterem punktet Ortlieb beim vorliegendem Rucksack mit einem durchdachten, hochwertig gefertigtem und einfach rundum gelungenem Produkt. Und seien wir doch mal ehrlich: Wer will schon ein nicht funktionierendes Produkt ein oder mehrere Tage mit sich rumschleppen, das würde auch wirklich keinen Spaß bereiten.
Und dennoch, der Rucksack hat ein Problem: Er ist kein Universalgenie, und für Pendler schon mal nicht geeignet, was der Rucksack – das muss der Fairness halber auch gesagt werden – als sogenannter Outdoor-Rucksack auch nicht wirklich sein will. Viele Radler werden sich trotzdem die Frage stellen, wie viele Rucksäcke sie eigentlich benötigen. Wir empfehlen den Atrack für Tages- oder Wochenendtouren. Und hier stellt sich dann die Frage, ob man für diesen Einsatzzweck einen Extra-Rucksack benötigt für einen derart hohen Preis? Wenn doch, dann werden Käufer mit dem Atrack einen echten Volltreffer landen und vom Rückenreißverschluss vom ersten Aufziehen an begeistern sein.
Technische Details
  • Volumen: 25 Liter
  • Farbe: Mustard
  • Abmessungen: Breite 26 cm, 56 cm Höhe, 25 cm Tiefe
  • Preis: 179,99 Euro
  • Gewicht: 1.480 Gramm (gewogen)
  • Wasserdicht: ja (getestet)

Ortlieb Atrack 25

Daniel Eilers

von Daniel Eilers

Daniel Eilers ist Redakteur bei BIKE BILD. Räder sind für ihn zweierlei: das perfekte Sportgerät und klügste Fortbewegungsmittel unserer Zeit.